Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. 135

Das einzige Mittel, um zu verhindern, dass so unglücklicheGeschöpfe, wie es die Verbrecher sind, auf die Welt kommen,wäre vielleicht, dass man die Ehen der Alkoholisten und Ver-brecher verhinderte.

Gehen wir dennoch von der Ueberzeugung aus, dass dergeborene Verbrecher unverbesserlich ist, so begegnen wir unsmit der von Roussel, Borzillai und Ferri getheilten Ansicht,dass die sogenannten Besserungsanstalten vielmehr Verderbniss-anstalten sind. Zweckmässiger als diese würden Anstalten fürverbrecherische Irre, oder noch besser Asyle zu lebenslänglicherAufbewahrung solcher Minderjährigen sein, die mit hartnäckigenbösen Neigungen oder mit Moral insanity behaftet sind.

Für sie würde das Asyl ebenso, oder sogar noch weitförderlicher sein als für die Erwachsenen, da es von Jugendauf die Folgen jener bösen Neigungen beschränkt, denen wirleider immer zu spät und erst, wenn sie verhängnissvoll ge-worden, unsere Aufmerksamkeit zuwenden.

Schliesslich ist doch dieser Gedanke weder neu noch revo-lutionär. Hat doch schon die Bibel ihn ausgesprochen undzwar in einer weit radikaleren und weniger humanen Weise,wenn es (Deuteron. XXI.) darin heisst:Hat Einer einenstörrigen Sohn, der ein Trunkenbold ist und widerspenstiggegen seine Eltern, so sollen ihn diese .. . den Aeltesten über-geben und steinigen lassen, auf dass er sterbe."

Die Erziehung vermag zwar ein mit guter Gemüthsanlagebegabtes Kind vor dem Uebergang der kindlichen Untugendin gewohnheitsmässiges Laster zu behüten, aber Diejenigen, diemit perversen Naturtrieben geboren sind, vermag sie nichtzu ändern.