Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. 133
und zugleich naschhaften jungen Manne; Plagiozephalie, ver-bunden mit niedriger Stirn bei einem von heftigem und rach-süchtigem Charakter; grosse Ohren mit ältlichem Gesichte beieinem Onanisten; asymmetrisches Gesicht bei einem schlechtenund neidischen Mädchen.
Auch hier sieht man deutlich, dass die körperliche Ano-malie, welche offenbar sehr oft mit unsittlichen Neigungen zu-sammenfällt, dennoch die Möglichkeit einer günstigen Wendungnicht ausschliesst, da wir eine solche in sechs Fällen auf zwölfeintreten sahen. Wo indes körperliche Anomalien fehlen, dascheint die Besserung eines ursprünglich schlechten Charaktersleichter erfolgen zu können. Andererseits aber ist nicht ausserAugen zu lassen, dass manche Besserung nur scheinbar seinund auf Heuchelei beruhen könnte.
IV.
Strafe und sonstige Mittel, den Vergehen der Kinder. vorzubeugen.
Es beibt also erwiesen, dass bei einer gewissen Anzahlvon Verbrechern die bösen Anlagen von den ersten Lebens-jahren her datiren, gleichviel ob erbliche Belastung mit imSpiele ist oder nicht; richtiger gesagt, wenn es Viele giebt,die durch schlechte Erziehung zu Verbrechern werden, so giebtes auch viele, die durch gute Erziehung vom Verbrechen nichtabgehalten werden.
Gleichwohl macht sich der günstige Einfluss der Erziehunggerade dadurch bemerklich, dass ohne denselben die sozusagennormale Verwandlung der beim Kinde überhaupt vorhandenenbösen Anlagen unerklärlich wäre.
Uebrigens verstehen wir unter Erziehung nicht die ein-fachen moralischen Belehrungen, welche sogar bei Erwachsenenselten etwas leisten, weshalb wir auch von den sogenanntenmoralbefördernden Künsten, Schriften und Predigten so wenigErfolg sehen, noch weniger verstehen wir darunter die schul-meisterlichen Zuchtmitte], wodurch im besten Falle Heuchler