122 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
erst recht, doch anfangs aus blosser Neugierde, ohne Lust da-bei zu empfinden. Später bildete sie sich ein, krank zu sein,applicirte sich Umschläge von Kräutern und Säckchen mitSand und rieb sich ihre Geschlechtstheile mit Stöcken. Späterüberkam sie die Begierde zu bestimmten Stunden.
Sie verführte ihre vierjährige Schwester, welche aber erstim Alter von 8 Jahren Lust zu empfinden anfing.
Esquikol nnd Marc erzählen zwei interressanta Fälle,wo neben der Lüsternheit und zum Theil unter dem Einflüssederselben sich eine Neigung zum Muttermorde kundgab, trotz-dem die Intelligenz ungestört, ja vorzeitig entwickelt war, sodass hier zwei exquisite Beispiele von Moral insanity und ver-brecherischer Neigung in stato nascenti vorlagen.
Das von Esquirol beschriebene Mädchen war von leb-haftem Aeussern mit kastanienbraunen Haaren und gebogenerNase. Seit dem Alter von 5—7 Jahren beherrschte sie derGedanke, ihre Mutter zu tödten, um sich ungestört mit denKnaben abgeben zu können. Als ihre Mutter vor Kummererkrankte, gestand sie derselben, es sei ihr gar nicht unlieb,wenn sie stürbe. — Dann bekomme ich, sagte sie zu derMutter, Ihre Kleider. — Und was fängst du an, wenn dieKleider einmal vertragen sind? — Dann kaufe ich mir fürIhr Geld andere. — Und dann? — Dann gehe ich mit denMännern. ■— Du weisst ja gar nicht, was Tod heisst; sollteich heute Abend sterben, so würde ich morgen wieder auf-erstehen. Ist Herr Jesus nicht gestorben und nicht wiederauferstanden? — Herr Jesus konnte es, weil er Gott war; Sieaber stehen sicher nicht wieder auf. Ist doch meine verstorbeneSchwester nie wieder zurückgekommen. — Wie willst du esdenn anfangen, um mich umzubringen? — Wenn Sie einmalin den Wald gingen, würde ich mich darin unter dem Laubeverstecken, und sobald Sie vorbeigingen, würde ich Sie zuBoden werfen und Ihnen einen Dolch ins Herz stossen. —Du musst wissen, dass ich nie in den Wald gehen werde, ummicb umbringen zu lassen! — Ach, Mama, das ärgert michja eben sehr; doch könnte ich Sie noch nachts mit einemMesser tödten. — Und warum thatest du es nicht, als ich