Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. Hl
einer unbedeutenden Veranlassung wegen einen Sklaven in einenbrennenden Ofen werfen Hess; ebenso Ludwig XI. und KarlIX., welche Tbiere marterten, und Ludwig XIII. , der einemkleinen Vogel den Kopf langsam zwischen zwei Steinen zer-quetschte und eines Tages gegen einen missliebigen Edelmannso aufgebracht wurde, dass man, um ihn zu beruhigen, ihmvorreden musste, der Mann sei getödtet worden. Als Königfand er einen Genuss daran, dem Todeskampfe verurtheilterProtestanten beizuwohnen.
Da Moral insanity und verbrecherische Neigungen einanderso nahe verwandt sind, so erklärt sich hieraus, warum fast allegrossen Verbrecher schon in frühester Jugend böse Neigungenverriethen. — Die Lafarge fand als Kind ein grosses Ver-gnügen daran, die Hühner zu schlachten; — einem spätemVatermörder machte es Vergnügen, wie Feuerbach erzählt,Hühner zu blenden und umherlaufen zu lassen. — Dumbeystahl im Alter von 7 1 /« Jahren, der Räuber B. war schon imAlter von 9 Jahren Dieb und Stuprator. — Cartouche stahlmit 11 Jahren. — Crocco rupfte im Alter von 3 Jahren"Vögeln die Federn aus, Lassagna, kaum 11 Jahre alt, nagelteden Ochsen die Zunge an einer Bank fest. — Die zwölfjährigeMörderin Marie Schneider stach schon als kleines KindKaninchen die Augen aus.
Locatelli hat beobachtet, dass die Neigung zum Stehlenschon im frühesten Alter sich kundgiebt, mit unbedeutendenHausdiebstählen anfängt und allmählich wächst. Mörder da-gegen werden plötzlich zu solchen und zwar in sehr frühemAlter.
Dasselbe bemerkt Roüssel in seiner grossartigen Enquetesur les mineurs. 1883, hinsichtlich der Prostitution in Frank-reich, zu welcher die Minderjährigen einen grossen Beitragliefern, z. B. 1500 auf.2582 im Jahre 1887 Verhaftete. InBordeaux fand sich, dass, während 461 aus Noth oder Zwang(32) seitens der Eltern der Prostitution verfielen, bei 44 derGeschlechtstrieb allein den Grund dazu abgab. Unter letzterenfanden sich die Töchter eines Ingenieurs und eines reichenGrundbesitzers.