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1 (1894)
Entstehung
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65
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 65

Im alten Mexiko gab es Hausthiere, Ziegen, Hirsche,Hunde in Fülle, und bei der Hungersnotb während der letztenBelagerung nährten sich die Bewohner mit Rinden und Wur-zeln, rührten aber Menschenfleisch nicht an, weil sie dies nurals Opfer oder als Siegeszeichen verzehrten."

Auf Neuseeland hat die Religion den Kannibalismus ge-heiligt (Letourneau, S. 192, 193); fällt ein Häuptling in derSchlacht, so verlangt das dortige Volksrecht, dass die Fraudesselben der Partei ausgeliefert wird, welche den Mann ge-tödtet hat; denn auch sie muss getödtet werden. Die vorhergebratene Leiche wird andächtig bei einer dazu anberaumtenreligiösen Festlichkeit verzehrt. Die Ariki (Priester) gehenmit ihrem Beispiele voran, indem sie feierlich kleine Stückevon den Opfern kosten. (Letourneau, S. 192, 193.)

Wo aber die religiöse Anthropophagie samt den Menschen-opfern den höchsten Grad der Grausamkeit erreichte, das warin Mexiko.Dort wurde das Opfer auf den Opferstein gelegt,und das Haupt der Opferpriester Papa Topitzine, der zudiesem Feste den Namen des Gottes selber annahm, öffneteschnell mit einem Steinmesser die Brust des Opfers, um dasHerz herauszureissen, das gewöhnlich der Sonne, seltener demMonde geopfert wurde. Nur den alten Priestern war es er-laubt, davon zu essen. Darauf wurde die Leiche von derTreppe heruntergeworfen, wo die Menge betend harrte, um siedann zu verzehren. Gehörte aber die Leiche einer Privat-person, so wurde sie von der Familie des Besitzers fort-gebracht, um zu Hause verzehrt zu werden.

Die Khonds in Oentralindien pflegten bis vor nicht garlanger Zeit nach vielen Oeremonien das Opfer in den heiligenWald zu führen, wo der Janni (Priester) es mit seiner eigenenAxt traf. Kaum war dieser Akt vollbracht, so warf sich dieMenge auf das Opfer, Jeder suchte sich eines Fleichstückeszu bemächtigen, und nach wenigen Augenblicken lagen nurnoch die nackten Knochen auf dem Boden. (Lubbock, 1. c.)

c) Kannibalismus aus Aberglauben. Eine anderemit den religiösen Glaubenssätzen nahe verwandte Ursacheder Anthropophagie ist der Aberglaube, dass man sich den

Lombobso, Der Verbrecher. I. 5