56 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
zwar immer aus lächerlichen Gründen, z. B. weil sie ihm miteigener Hand eine Blume gereicht.
c) Mord als Trauerritus. — "Wenn die Wilden voneinem grossen Unglück betroffen werden, so glauben sie gleich(wie auch unter uns Europäern die Leute, bei denen das Ge-fühl die Vernunft überwiegt), dass es ein Zeichen des gött-lichen Zornes sei, und suchen daher denselben zu beschwören,anfangs durch Bussen und Kasteiungen, die sie sich selbst auf-erlegen, später durch Angriffe gegen andere Personen, welcheirgendwie mit dem Opfer des Unglücks zusammenhängen.
Doch besonders bei den Leichenbegängnissen erscheint derrituelle Mord als ein den verschiedensten Völkerstämmen ge-meinsamer Brauch, wobei die Frauen, die nächsten Verwandtenund die Sklaven des Verstorbenen geopfert werden. Bahodu,König von Dahomey, Hess bei dem Leichenbegängnisse seinesschon seit längerer Zeit gestorbenen Vaters Gezo eine Unzahlvon Menschen erwürgen. Nach Fynn schloss sich dem Leichen-gefolge der an Ruhr gestorbenen Umanda, Mutter des Zulu-königs Tschaka, eine unabsehbare Menge an, worunter diekriegerischen Legionen des Despoten. Man sah dabei zahlloseMenschenleben opfern und die schwärmenden Krieger in wilderVerzweiflung sich selbst zerfleischen, bis 7000 von ihnen denBoden bedeckten. (Hartmann, 1. c.) Mit dem Leichnam deralten Königin wurden gleichzeitig zwölf der schönsten jungenMädchen lebend begraben.
In Amerika hatten die Natchez am Mississippistrome anihrer Spitze einen grossen Häuptling, der sich Bruder derSonne nennen Hess. Dieser Halbgott hatte das Recht überLeben und Tod. Seine Frauen und Diener wurden auf seinemGrabe getödtet. In Peru wurden bei dem Tode eines Inkaseine Diener, Kebsweiber und Lieblingsfrauen, oft 1000 an derZahl, geopfert.
Bei den Mongolen werden die Könige und Fürsten mitgrossen Kosten und zahlreichen Menschenopfern in einer ge-räumigen unterirdischen Grabstätte beerdigt. Um den fürst-lichen Leichnam herum liegen, in der Haltung buddhistischerAndacht, die Leichen von Kindern, die man bei dieser Gelegen-