III. Die Erdbeschreibung des Isidor von Sevilla.
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III. Die Erdbeschreibung des Isidor von Sevilla.
Mit Fig. 26 und 27 und Taf. 2.
Den grössten Einfluss auf die Geographie und Kartographie des Mittelalters hatte Isidor vonSevilla, der grosse Vermittler zwischen alter und neuer Zeit, geboren zwischen 560 und 70 als Sohn desPräfekten in Carthagena, gothischer Abkunft, ■{• 636. Die geographischen Abschnitte sind in sein grosses,unvollendet hinterlassenes, alle Wissenschaften umfassensollendes Werk „Originum sive Etymologiarumlibri XX" angeflochten. Die eigentliche Kosmographie ist enthalten im XIV. Buch in den Kapiteln 3 — 6:Asia, Europa, Libya und Insulae, anschliessend an die gleiche Einteilung des Orosius. Dazu kommenc. 7 promontoria, c. 8 montes; ferner im XIII. Buch c. 15 die Oceane, 16 Meere, 17 Meerbusen,18 Meerengen, 19 Seen, 21 Elüsse; ferner im XV. Buch c. 1 die Städte, und IX, c. 2 gentes. Der eigent-lichen Kosmographie geht in XIV, 2 die Einteilung der Erde vorher, und es wird im 1. Absatz dieKreisform der Erde in unzweideutigster Weise, in dem 2. und 3 die T-förmige Einteilung gegeben. Zuletzterer gehört ein T-Kärtchen mit der Verteilung der Erde an die 3 Söhne Noas, und es ist diesesKärtchen in zahlreichen Codices (siehe schon Mm III, 117) erhalten, unter welchen wir nicht weniger als18 Codices vor dem Jahr 1000 n. Chr. namhaft machen können: 2 in Bamberg, 8. und 9. saec.; 3 inBasel, 8. und 9. saec; 3 in Bern, 9. und 10. saec; 2 in Brüssel; 1 in Madrid (von Roda) 9. saec; 2 inMünchen, 9. und 10. saec; 1 in Ovieto, 7. oder 8. saec; 2 in Paris, 10. saec; endlich 2 in St. Gallen,9. und 10. saec. Wir geben hier in Fig. 26 und 27 zwei durch ihr Alter hervorragende Kärtchender 2 St. Galler Codices wieder. Das 1., Fig. 26, aus cod. 236 p. 89 giebt die 3 Erdteile und derenGrenzen, Mare Magnum, Tanais, Moeotides Paludes, Nilus, die 4 Himmelsrichtungen, die Söhne Noas undden Ocean (Oceanum Mare). Die 2. Karte, Fig. 27, stammt aus dem Cod. 237, welcher p. 219 zu IsidorXIV, 2, 3 eine einfache T-Karte, auf p. 63 das Medium mundi (de itinere solis, siehe oben Fig. 22)enthält. Die hier wiedergegebene Karte aber befindet sich sozusagen auf dem Titelblatt und ist älter alsder dem 9. Jahrhundert angehörende Codex; letzterer ist nämlich in dem Verzeichnis des 9. Jahrhunderts(Weidmann S. 379) schon aufgeführt. Auf der Rückseite des 1. Blattes beginnt der Text, zuerst derLiber monstrorum, die drei ersten Blätter einnehmend, dann folgt S. 7 Isidors Lib. Etymoll. DieVorderseite des 1. Blattes aber, stark abgenützt und mit Kleisterresten, war ehemals an ein anderes Blattangeklebt und bildete den Einband, ist jetzt das Titelblatt (oben steht „Iste est liber de Scö Gallo"u. s. w.), wurde zu verschiedenen Zeiten als Schmierblatt benützt und zeigt in alten Schriften verschiedeneA-B-C, zum Teil sehr schöne Schriftproben, Ornamente, Bibelverse, abgebrochene Gebetsverse u. dgl.,unter all dem aber eine gelöschte alte Weltkarte mit dem Crucifixus darüber, welche das ganze Blatteinnahm. Unsere Zeichnung in Fig. 27 giebt diese gelöschte Karte wieder, mit Hinweglassung allerjüngeren Schriften und Zeichnungen, in halber Grösse des Originals. Diese Weltkarte ist ganz in Ma-juskeln geschrieben und dürfte wohl noch dem 7., spätestens dem Anfang des 8. Jahrhunderts angehören.Die Karte zeigt Verwandtschaft mit Fig. 26; neu ist, dass die Meerenge durch Fauces bezeichnet wird.Besonders aber wird die Karte interessant durch den 4. Erdteil: „Terra inhabitabilis (das Weitere istnicht leserlich), welcher ja die Isidorkarte überhaupt auszeichnet, und durch die Beziehung des Crucifixuszur Erdkarte. Wir haben auf verschiedenen mittelalterlichen Karten das Bild des Weltrichters (Hf) oderdes Salvator mundi (Ps und Eb) oder der Vorsehung, durch Engel, welche über oder an dem Erdkreisangebracht sind, repräsentiert (Hn und Reims) getroffen, hier sehen wir, wie alt diese Darstellung ist 1 ).
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') Die Darstellung des Crucifixus auf obigem Bildereibt sieb an die ältesten Bilder desselben an, welche mankennt (das Thürrelief von St. Sabina aus dem 5. Jahrhun-dert, die Elfenbeinschnitzerei in London ebenfalls 5. Jahr-hundert, eine Miniatur in der Laureutiana vom Jahr 586)
Miller, Mappaemnndi VI.
und teilt deren wesentliche Merkmale: das Haupt Christiist bartlos, mit Strahlenkranz und Nimbus umgeben, dieAugen sind offen (Christus lebend), die Hände mit denWundmalen versehen, die Kreuzesbalkcn fehlen, die Füssesind nebeneinander.
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