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6 (1898) Rekonstruierte Karten
Entstehung
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VIII. Der Pinax des Dionysius Periegetes.

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VIII. Der Pinax des Dionysius Periegetes.

Mit, Fig. 37 und 38 und Taf. 6.

Eine hervorragende Stelle unter den Kompendien der Geographie nimmt in der römischen Kaiser-zeit und im Mittelalter die Pcriegesis eines Dionysius ein, über dessen Zeit und Lebensgeschichte manbis vor kurzem nichts Sicheres wusste. Da veröffentlichte im Jahr 1884 Leue im Philologus 42. B.S. 175—8 zwei von ihm in der Periegesis selbst entdeckte Akrosticha, welche die gewünschte Auskunftgeben. Es enthalten nämlich die Anfangsbuchstaben der Verse 109—134 (Vers 118 fehlt den Alten undist zu streichen) die Worte: luij \un>va(i)lov iän> ivtos <Päoov, woraus sich ergiebt, dass Dionysius einAlexandriner ist. Ferner ergeben die Verse 513—532 durch ihre Anfangsbuchstaben: @eos "Eg/ieg bei'ASqkivov. Der Gott Hermes, der Schirmherr ägyptischer Wissenschaft, hat das Werk entstehen lassen.Man hatte nach mancherlei Irrgängen ] ) aus inneren Gründen die Abfassungszeit etwa 90 nach Christusangesetzt 2 ); jetzt weiss man, dass er unter Kaiser Hadrian geschrieben hat. Unsere Neugierde wäre be-friedigt, wenn wir auch noch erfahren hätten, wo er geschrieben hat. Leue glaubt, in Alexandrien sei erBibliothekar gewesen. Der Umstand, dass seine Karte geostet ist, wäre in diesem Falle etwas befremdend,und wir wären doch geneigt, der Angabe von Guido (a. 1119) 3 ) Glauben zu schenken, wonach er in Rom20 Jahre lang Bibliothekar gewesen wilre, wiewohl der Beiname Jonicus, den er von Guido erhält,nicht stimmt.

Die Erdbeschreibung des Dionysius in 1187 Versen zeichnet sich keineswegs durch grosse Ge-lehrsamkeit oder Wissenschaftlichkeit, ja nicht einmal durch Korrektheit aus, aber sie hat die Vorzügeder Kürze, Anschaulichkeit und der metrischen Form, und sie liest sich infolge der mancherlei natur-geschichtlichen, ethnographischen, mythologischen und sagenhaften Beigaben nicht unangenehm. So istes zu erklären, dass die Periegesis als Leitfaden für die Schulgeographie — wie es scheint besonders vom4. Jahrhundert an — grosse Verbreitung gefunden hat, so dass weit über 100 Codices auf uns gekommensind. Schon im 4. Jahrhundert haben wir eine freie, etwas erweiterte lateinische Uebersetzung von RumsFestus Avienus, in 1395 Versen, etwa um das Jahr 364 abgefasst (Avien war Prokonsul von Afrika366, von Achaia 372), und zwar unter seinem eigenen Namen und mit neuem Titel (Descriptio orbis terrae).

Eine neue getreuere Uebersetzung verfasste im Anfang des 6. Jahrhunderts der christlicheGrammatiker Priscianus aus Caesarea in Mauretanien in 1087 Versen; derselbe schrieb teils in Romteils in Konstantinopel; er tilgte die heidnische Auffassung, die mythologischen Einstreuungen (Anrufungder Musen u. ä.), während er aus Solinus einige Naturmerkwürdigkeiten (über Steine u. a.) einflocht.Ausser mehreren weiteren lateinischen Bearbeitungen haben wir sodann den grossen griechischen Kommentardes Eustathius im 12. Jahrhundert und eine ebenfalls griechische kurze, aber nicht ungeschickte Para-phrase in Prosa von Nikephorus Blemmides (c. 1250), dessen Manuskripten ein sogenanntesT-Kärtchen beigegeben ist. Auch die zugehörige Karte des Dionysius 4 ) ist bis ins Mittelalter hereinbezeugt. Die Scholiasten citieren sie öfters 5 ). Eustathius bemerkt zu Vers 530, die Namen der

') Tycho Mommsen, der Periegete Dionysius, Frankfurt1879, beweist die Entstehung im 1. Jahrhundert v. Chr..Beruhardy in der Zeit Diocletians.

2 ) Müller, Geogr. Gr. min. II. p. XV—XXII; Unger inFleckeisens N. Jahrbücher f. Phil. 1882, 449—464. — Gut-schmid, Kleinere Schriften, IV. B., S. 196.

3 ) Eavennatis Anonymi Cosmographia ed. Pinder etParthey, Berlin 1860, p. 466, 5.

4 ) Das Meer war in blauer Farbe vom Lande unter-schieden, wie aus Diou. V. 169—173 und Avien. 256 (siese forma maris toto proeul explicat orbe) hervorzugehenscheint. Nachdem das blaue Meer beschrieben ist, will

Dion. noch das Festland derart beschreiben, ut quamvisnon visae conspeetum habeas dilueidum.

5 ) Zu V. 409 und 521 wird bemerkt, dass Triphyliaund Peparethos auf der Karte fehle; ebeuso zu V. 533,Joniae insulae fehlen, V. 300 Peuce fehlt; 240 und 242Aegypten habe wegen seiner nicht unbedeutenden Grösseeine besondere Karte erhalten, auf dieser gleiche das Deltaeinem gleichschenkligen Dreiecke, dessen Breitseite nachNorden schaue, während die Spitze des unteren Winkelsnach Westen zu liegen komme (woraus hervorgeht, dassOsten oben ist).