80bekannt, hier nicht weiter erwähnen, kommt er auf die Organisation derHeere seiner Zeit und bricht in Klagen darüber aus, daß auf diesystematische Uebung und auch auf die sonstigen Leistungen der Soldatendurch Arbeiten jetzt durchaus kein Gewicht gelegt werde. Wenn manjetzt den Söldnern die Zumuthung machen wolle, etwa wie die Römeroderdes Drusus, eine „newe farth aus dem Rhein in die Issel“Straßen zu bauen, so würde man zur Antwort bekommen, „wann siehetten arbeiten wollen, wären sie woll zu Hause geblieben.“ Wer willsbessern? fragt er. Ebenso spricht er sich sehr mißliebig darüber aus,daß es dem Soldaten schon zu schwer erscheine, Gewehr und Waffenzu tragen, geschweige denn die großen Lasten, welche die Römer aufihren Märschen trugen. „Wo find man ein regiment zu fuß in unsernTeutschen kriegsheeren, welches über drei Monat gedienet, da noch einigeMusquetengabel vorhanden; wann die fort, folgen alsdann die bein-taschen, denselben die sturmhauben, denen gehet das hintertheil und balddarauf das vordertheil nach. So bleiben auch die Spieße nicht in ihrergebührender maaß länge, sondern werden abgekürtzet, springstöcke odervorjäger und bottenspieß daraus gemachet: in summa, all gewehr wirddergestalt verringert, weggeworfen und vernichtet, daß man auch end-lichen bei einem Regiment nicht einen ringkragen, der doch einen soldatenmehr als eine gülden kette zieret, finden kann; aber wer wills bessern?“Nach dieser allerdings für einen pflichttreuen Soldaten höchstbetrübenden Erfahrung, unterzieht er auch das Söldnerwesen einerscharfen Kritik. Die Macht der Römer fußte der Hauptsache nach aufihrem eigenen Land= oder ausgehobenen Volk, Geworbene oder Bunds-verwandte seien nur ein Zusatz gewesen; jetzt werde dagegen alles aufdas ausländische und zusammengeraffte Volk gestellet, das Landvolkwerde ganz geringe geachtet, „wie solches kriegsverständigen nicht un-wissend“. Nur die Schule des Prinzen von Oranien findet Gnade vorden Augen unseres entrüsteten Kriegsmannes, der am Schlusse sich nochereifert über das Wort „drillen“, womit man das Exercitium der Sol-daten bezeichne, da dieses Wort in deutscher Sprache die Bedeutung„tummeln oder vexiren“ habe, und er oft gesehen und erfahren, wieinsonderheit alte Kriegsleute Verdruß und Widerwillen gegen diesesWort und gegen die Sache ausgesprochen hätten. Zum Ersatz dafürschlägt er „Waffenhandlung“ vor.Der vierte Discurs „Von Waffen und Gewehr“ ist militärischnicht minder lehrreich als der dritte. Wir lernen daraus nicht nur dieBewaffnung der Alten genau kennen, sondern bekommen auch einenrichtigen Ueberblick der Bewaffnung und Ausrüstung der gleichzeitigen
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