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Incunabeln und Handfchriften beansprucht. Der grofse Sitzungsfaal des I, Obergefclioffes ragt durch dasII. Obergefchofs. Das über den Eckbauten angeordnete, mit Deckenlicht erhellte Attika-Gefchofs ift zurAnlage von Galerien über den Eckfälen benutzt.
Die Architektur ift in den Formen der italienifchen Renaiffance durchgebildet. Sockel- und Erd-gefchofs, 4 m , bezw. 6 m hoch, bilden den aus Boffenquadern hergeftellten Unterbau. Darüber erftrecktfich die durch I. und II. Obergefchofs, von 0,5, bezw. 7,<> m hoch durchgeführte Säulen- und Pilafter-flellung, welche durch ein kräftiges Hauptgefims, Giebelverdachungen und Attiken der Mittel- und Eck-bauten bekrönt und durch bildnerifchen und ornamentalen Schmuck ausgezeichnet ift.
Das Britifh Mufeum zu London 151 ) ift die gröfste der in Rede flehenden 3=9-Gebäudeanlagen für die vereinigten Sammlungen von Mufeum und Bibliothek. Der e ,'y Pleältere Haupttheil des Bauwerkes wurde an Stelle von Montagu-Houfe, das dieSchätze des Mufeums feit feiner 1753 erfolgten Gründung geborgen hatte, 1845 vonRobert Smirke errichtet. Eine erfte wefentlichc Erweiterung erfuhr das Haus, alsSidney Smirke 1857 den jetzigen grofsräumigen Lefefaal mit den umgebenden zu-gehörigen Flügeln für die Bücherei ausführte. Weitere Vergröfserungen bildeneinige feit 1879 hergeftellte Galerien der Weftfeite, fo wie ein ganz neuer Flügelan der Südoftfeite des Mufeums.
Die Entftehung und Entwicklung des Britifh Mufeum im Ganzen ift bereits in Art. 134 (S. 184), dieder Bibliothek in Art. 45 (S. 63) u. 107 (S. 144) und die des Natural Hißory Mufeum im Befonderen inArt. 311 (S. 363) gefchildert worden. Nach der 1883 ftattgefundenen Abtrennung des letzteren umfafft dasGebäude des Britifh Mufeum in den zwei auf der Tafel bei S. 64 und der neben flehenden Tafel dar-geftellten Gefchoffen, aus denen es aufser dem Kellergefchofs befteht, folgende Abtheilungen: 1) Hand-fchriften; 2) Bücher; 3) K'unftdrucke und Handzeichnungen; 4) griechifche und römifche Alterthümer;5) Münzen und Medaillen; 6) orientalifche Alterthümer; 7) britifche und mittelalterliche Alterthümer, fowie die Sammlung für Ethnographie.
Die Planbildung ift am klarlten aus der Tafel bei S. 64 erfichtlich. Sie zeigt die gefchloffene,rechtwinkelige Grundform von rund 100 X 140 m mit einem Binnenhof von 70 X 94 "> und mehreren Flügel-anbauten. Diejenigen der 112'" langen Vorderfeite bilden einen von Säulenhallen umgebenen, anfehnlichenVorhof, der (ich durch die beiderfeits anfchliefsenden Gebäude für Beamtenwohnungen (79 u. So auf derTafel bei S. 64) beträchtlich erweitert. Diefe an den Palaftbauten des vorigen Jahrlumdertes öftersvorkommende Vorhofanlage 462 ) trägt nicht allein zur Vornehmheit der äufseren Erfcheinung des Gebäudesviel bei, fondern fchafft auch Ruhe und Schutz vor den Störungen des Strafsenverkehres.
Durch einen doppelreihigen achtfäuligen Portikus korinthifcher Ordnung, deffen Giebelfeld eine denFortfehritt der Cultur darftellende Bildwerkgruppe von Weßacotl fehmiieken, gelangt man in das Inneredes Haufes. Die Ausftellungsfäle lies eigentlichen Mufeums nehmen den füdweltlichen, nicht fchrafiirtenTheil des Erdgefchoffes und einen Theil des Sockelgefchoffes, fo wie das ganze Obergefchofs ein. Die Thtirrechts in der Eingangshalle führt zur Handfchriften-Abtheilung und zur Königlichen Bibliothek (Kings library),diejenige links zu den Galerien für Sculpturen, Architekturftücke und Infchriften der verfchiedenen Alterthümer-Sammlungen. Die römifchen und griechifch-römifchen Bildwerke u. f. w. find in den füdlichen Sälen(j>, 4 und 8 bis //), die ägyptifchen, affyrifchen und rein griechifchen in den von Süd nach Nord ge-richteten Sälen {12 bis 21 und 24 bis jj) aufgeftellt. Das Obergefchofs, zu dem von hier aus die eben-falls mit AlterthUmern ausgeftattete nordweftliche Treppe 32 hinaufführt, enthält die kleinen Stücke deräufserft reichhaltigen und werthvollen Alterthümer-Sammlungen verfchiedener Völker und Zeiten, nämlichdie ägyptifchen, babylonifchen und affyrifchen in der Nordgalerie (28HS33), ferner die Münzen, Medaillenund Kunftdrucke in der zweiten Nordgalerie (21 bis 24 und 43), die Vafen, Bronzen, Goldarbeiten undSchmuckfachen, ferner Terracotten der griechifchen und römifchen, fo wie der etruskifchen Sammlungen u. f. w.in den flidweftlichen Sälen {34 bis 42 und 44), fodann die indifchen Bildwerke, die prähiftorifchen Gegen-ftände, die der anglo-fächfifchen, anglo-römifchen und mittelalterlichen und aliatifchen Kunft in den füdöft-lichen Räumen (z bis 6); aufserdem die keramifchen und Glasfammlungen (7 und S), die Ausftellung vonHandzeichnungen und Kunstdrucken (10 und jj) im neuen Flügel, endlich die ethnographifche Galerie(j2 bis 16) und die mexikanischen und amerikanifchen Alterthümer (77 bis ig), welche im örtlichen Flügeluntergebracht lind. Die nordöstliche Treppe führt in das Erdgefchofs und durch die Ausftellung der
45] ) Nach: A Guide to the Exhibiiion Galleries pf the Britifh Mufeum. London 1890. S.45 -) Siehe Theil IV, Halhhd. I (Abfchn. 5, Kap. 3") diefes »Handbuches''.