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Das Mufeum hat die Beftimmung, folgende Sammlungen zu vereinigen: i) vorgefchichtliche Alter-thümer, 2) Trojanifche Alterthümer (Schenkung Schliemanris), 3) ethnologifche Sammlungen. Letzterebeanfpruchen den weitaus gröfsten Theil des Hanfes, das aus einem 3,so m hohen Sockelgefchofs und aus4 Stockwerken von 6,59 m , bezw. 6,16, 5,65 und 4,90 m Höhe befteht.
Das Gebäude ift in der Grundform eines der Bauftelle angepafften, unregelmäfsigen Viereckes,deflen Flügel einen fünfeckigen, 1300 Q m grofsen Binnenhof umfchliefsen, geplant. Zur günftigen Ausnutzungdes fpitzen Winkels am Zufammenftofs der beiden Strafsen wurde an diefer Ecke ein mächtiger Rundbauangeordnet, nach deffen Axe die ganze Grundrifsanlage gerichtet ift. In diefen Rundbau find im Erdgefchofs(Fig. 438) die Eingangshalle mit den fie umgebenden Räumen, eine nach aufsen offene Säulenhalle, Pförtner-zimmer, Kleiderablagen und Aborte gelegt. Von diefer kreisrunden Halle führen einige Stufenreihen durchfünf Bogenöffnungen in einen rings von einem breiten Säulengang eingefchloffenen, fächerförmigen Lichthof,der die Höhe von zwei Gefchoffen einnimmt, mit Glas überdeckt ift und die grofse Flurhalle des Haufesbildet. Hier werden befonders hervorragende Gegenftände zur Schau gebracht, und in dem dahintergelegenen Binnenhofe kommen folche Stücke der Sammlungen, die dem Wetter ausgefetzt werden können,zur Aufftellung. Zu beiden Seiten des Flurhallen-Lichthofes liegen die beiden Haupttreppen, die in jeeinem geraden Lauf von einem Gefchofs zum anderen führen.
Ueber der Eingangshalle erftreckt fich der durch fämmtliche Obergefchoffe reichende Sitzungsfaaii Fig. 437), der mit ftark anfteigenden Sitzreihen für 200 Perfonen, aufserdem im I. Obergefchofs von einerReihe von Arbeitsräumen, im TT. Obergefchofs von einer als Bibliothek dienenden und nach dem Saalefich öffnenden Galerie umgeben ift. Die neben den Treppen liegenden äufseren Räume, welche nur diehalbe Gebäudetiefe einnehmen, find in allen Stockwerken theils für Zwecke der Verwaltung, theils alsArbeitszimmer und kleinere Ausftellungsfäle verwendet. Der ganze übrige Theil des Haufes ift im Erd-gefchofs und den beiden folgenden durchgehenden Obergefchoffen im Wefentlichen als einheitlich zu-fammenhängender Raum von 15,00 m Tiefe geftaltet, der, durch eine Säulenreihe in der Mitte getheilt, vonbeiden Seiten beleuchtet und nur an einzelnen Stellen durch Nebentreppen und Aufzüge unterbrochen oderaus conftructiven Gründen durch W 7 ände abgefchieden ift.
Im Sockelgefchofs find drei Wohnungen für die Hausbeamten, fodann W T erkftätten, Lagerräume unddie Keffelanlage der Heizung untergebracht. Das ganze Erdgefchofs ift den Sammlungen der vorgefchicht-lichen und der Trojanifchen Alterthümer der Schliemanri fchen Schenkung eingeräumt. Die Säle des I. Ober-gefchoffes enthalten die ethnologifchen Sammlungen aus Afrika, Amerika und Oceanien; die des II. Ober-gefchoffes find hauptfächlich zur Aufnahme der betreffenden Sammlungen aus Afien beftimmt. ImIII. Obergefchofs, das fich nur auf die beiden Strafsenfeiten erftreckt, hat die anthropologifche SammlungPlatz gefunden.
Um eine möglichft günftige Beleuchtung zu erzielen, find die Fenfter dicht an einander gereiht, dieStürze dicht unter der Decke angeordnet, die Brüftungen dagegen hoher als gewöhnlich gelegt worden.Zum Zwecke möglichft feuerficherer Herftellung des Gebäudes ift die conftructive Ausgeftaltung deffelbenvorwiegend in Stein und Metall, welch letzteres faft überall unverhüllt zum Vorfchein kommt, bewerkftelligt,dagegen FIolz nur da, wo es unentbehrlich war, verwendet worden 431 ). Der Fufsbodenbelag befteht ausMettlacher Thonfliefen; die Wände der Sammlungsfäle find bis Schulterhöhe mit glafirten Mettlacher Fliefen,die des Lichthofes und des Haupttreppenhaufes mit Porzellanfliefen bekleidet. Die Wand-Architektur derEingangshalle, wie des Lichthofes ift aus echtem Steinmaterial hergeftellt. Im Uebrigen ift von jeglichembefonderen Schmuck Abftand genommen. Nur die Deckenwölbung der Eingangshalle ift mit einem Glas-mofaik-Gemälde nach dem Entwürfe Lefjing's geziert.
Die in den Formen italienifcher Früh-Renaiffance ausgeftalteten Hauptfronten des Gebäudes an derKöniggrätzer- und Zimmerftrafse find in Sandftein ausgeführt. Für die Seiten- und Hoffronten wurdeSandftein nur für die Gefimfe, Fenftereinfaffungen u. dergl., dagegen Verblendziegel für die Mauerflächenverwendet.
Die Erwärmung erfolgt mittels Dampf-Wafferheizung in den Ausftellungsräumen, der Bibliothek undden kleineren Räumen des Rundbaues, mittels Dampf-Luftheizung in dem Sitzungsfaai, der Eingangshalle unddem Lichthof.
Die Koften des eigentlichen Baues betrugen 2 040 000 Mark ; fomit kommen bei 443 c i m bebauterFläche und 109 423 cbm Rauminhalt auf 1 qm rund 460 Mark und auf 1 cbm 18,64 Mark.
431 ) Näheres in: Zeitfchr. f. Bauw. 1887, S. 45 — und: Deutfche Bauz. 1883, S. 410.