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Fig. 233.

Statuenhof im Belvedere des Vatican zu Rom

Die Kunftwerke des Mittelalters und der Renaiflance zu fammeln, kam zurZeit ihrer Entftehung Niemand in den Sinn. Sie waren im wahren Sinne des WortesGemeingut des Volkes; denn fie fchmückten gröfstentheils Kirchen, Capellen undKlöfter. Die als Tafelbilder gemalten Altarblätter, fo wie plaftifche Bildwerke, Denk-mäler, kirchliche Gegenftände aller Art hatten an den Plätzen ihrer Beftimmung, trotzder meid mangelhaften Beleuchtung 171 ), eine erhöhte Bedeutung; Kunftichöpfungenund kunftgewerbliche Werke weltlicher Art waren faft immer für befondere Zwecke,denen fie am Ort ihrer Aufhellung in Schlöffern, Hallen und Gärten, in Rath- undZunfthäufern u. f. w. dienten, gefchaffen. Wohl mögen manche felbftändige Kunft-werke, Koftbarkeiten, Merkwürdigkeiten ihrer Zeit in die Wohnungen der Reichenund in die für das Gemeinwefen beftimmten Stadthäufer gekommen und darin auf-bewahrt worden fein 172 ); allein zur Ausbreitung und Aufftellung folcher Schätze in be-

171) »Wie ift es möglich, Werke aus der grofsen claffifchen Zeit in Kirchen an Altären zu gcniefsen, die zwifchen undvor den Fenftern flehen, denen fie die Rückfeite zukehren, fo dafs fie jeden directen Lichtftrahl entbehren?« (Siehe: Magxus, E.Ueber Einrichtung und Beleuchtung von Räumen zur Aufftellung von Sculpturen. Zeitfchr. f. Bauw. 1864, S. 201.)

172) Zur Zeit der Renaiflance befafsen fchon Cöln, Ulm, Augsburg und Nürnberg bedeutende Kunftfammler, befondersunter den Patriziern, von denen Pirkheimcr, Dürer'* Freund, einer der bekannteften ift. Selbft die Keramik, namentlich dieitalienifche Fayence (Majolika) gehörte bereits damals in Deutfchland zu den gefuchteften Kunftgegenftänden und wurde gutbezahlt, wie das »Unkoftpuch Willibald I. Im Hof« zu Nürnberg von 15747? bezeugt. (Nach: Demmin, A. Sammler undSammlungen. Frankf. Ztg. 1892 )

Handbuch der Architektur. IV. 6, d. I2