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wandt, wodurch Eins das Andere steigert und zur Geltungbringt, welch ein milder Reichthum ist in diesem Farben-concert! Fast durchgehends im hellen Tageslichte, ohnegrosse Schatten- und Lichtmassen konnte dieses Bild inder Ausstellung die Nachbarschaft der glänzendst colorirtenBilder aushalten, die es umgaben, wie z. B. die „MariaStuart" von Karl Piloty, welche gleich daneben hing undworin rothe und goldige Farben in grossen Massen zuhöchster Kraft gesteigert sind. Freilich in anderer Be-leuchtung und anderer Umgebung wirkt das Bild noch vielfeinfarbiger, und einige Mängel in der Haltung desselbensind mir, als ich es an anderem Orte sah, nicht aufgefallen;die nicht sehr günstige Beleuchtung mag sie verstärkthaben. Wie reizend schlicht, einfach, natürlich und wiekunstvoll zugleich die Behandlung ist, ist gar nicht genugzu preisen; von der Auffassung der Natur, der trefflichenCharakteristik, von der reizenden Grazie, kurz, von dengeistigen Vorzügen des Werkes will ich hier gar nicht reden,ich finde an anderer Stelle noch Gelegenheit dazu.
Die deutschen Maler können nicht malen: es ist dochseltsam! Ich möchte einmal diejenigen, welche das be-hauptet haben, vor die schlummernde Bacchantin von EugenFelix in Wien führen und sie bitten, vor diesem Bilde ihreBehauptung nochmals zu wiederholen. Schon auf der Aus-stellung in Wien habe ich dieses, was Farbe und Behand-lung betrifft, ausserordentliche Gemälde bewundert, und ichfand meine Meinung in München nur bestätigt, ja, in dieserUmgebung noch bestärkt. Zwar verkenne ich nicht, dassdie Rücksichtslosigkeit, womit hier die vollständigste Nackt-heit uns entgegentritt, viele Beschauer vielleicht etwas be-fremden mag und dass dem Tadel einer gewissen lüsternenAbsichtlichkeit, der dieses Bild vielfach getroffen, nichtganz unbedingt widersprochen werden kann; wenn manaber die malerische Kunst als solche betrachtet, so wirdman gestehen müssen, dass dies eine vollkommene Leistungist, und zwar um so mehr, als von je her die Darstellung