— XVIII _
er damals mehr gebraucht zu haben, als seinem gestrengenVormund und Vermögensverwalter lieb war. Ein Brief,den er in einer Geldangelegenheit nach Hamburg schrieb,worin er seine Absichten für die Zukunft deutlich ausdrücktund zugleich eine Beschreibung seiner Seelenstimmung giebt,ist nicht nur sehr bezeichnend für den Ernst mit dem derjunge Künstler seine Aufgabe erfasste, sondern auch inte-ressant wegen der Schilderung der damaligen DüsseldorferKünstlerverhältnisse und mag deswegen hier eingeschaltetwerden.
Nach dem Eingang des Briefes, der von Einschränkun-gen und Ersparnissen handelt heisst es: Man könnte mirden Rath geben, dass ich in ein Kosthaus gehe, die freilichauch zu 3 Thlr. monatlich zu haben sind, dass ich z. B.einen Sammtrock trage, der 10 Thlr. kostet, statt dassmein Rock den ich eben anhabe mir deren 22 kostet,dass ich Niemand besuche, also einen Frack sparen kann,dass' ich keine Handschuhe, einen Hut weniger etc. etc.brauche. Vielleicht sagst Du: Warum thust Du das nicht.Ich antworte: Weil ich das hier nicht kann, weil ich all'meine Freunde aufgeben müsste, weil ich keinen Umganghaben könnte der mir zusagt, weil ich aufhören müsstezu der wohlangesehenen Classe der jungen Künstler zugehören.
Du wirst nun natürlich mir einwenden, dass das eigent-lich sagen heisst, die ganze hiesige Künstlerwelt müsse,in so fern sie nicht sehr viel verdient, aus lauter wohl-habenden Leuten bestehen. Da komme ich aber auf Daszurück was ich vorhin sagte, nämlich auf das Creditwesen.Die Meisten leben hier heute für morgen, d. h. sie machenSchulden, um sie später zu decken, wenn sie mit Glück