Druckschrift 
Der Hausgarten
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

IOO

BEWIRTSCHAFTUNG DER FLÄCHEN

Von den durch die Wege und die sie z. T. einfassendenBlumenstreifen gebildeten Feldern werden die dem Hause näherliegenden als Gemüseländereien bewirtschaftet, während die weiterabliegenden Grasflächen sind, welche als Bleiche und zur Heu-gewinnung dienen. Sie sind in Zwischenräumen von acht, zehnund mehr Metern mit Obstbäumen bestanden, wobei das Kern-obst bevorzugt ist, da sich hier die Kronen nach Belieben aus-dehnen können.

Wenn ich noch gedenke der Rosenpflanzung auf der Rabattei des Plänchens, des Weinspaliers am Hause, der Erdbeerbeete,welche auf einigen Rabatten längs der Wege die Blumen er-setzen, der Himbeer- Johannisbeer- und Stachelbeerreihen, dieeinzelne Felder trennen oder die Blumenrabatten nach den Ge-müsestücken hin abschließen, so glaube ich die letzten Strichean meinem Bildchen eines mitteldeutschen Pfarrgartens auf demLande getan zu haben.

Weshalb aber habe ich denn dies Bildchen überhaupt zumalen versucht? wird mancher Leser erstaunt denken. DerGarten ist ja so furchtbar einfach. Gehört er denn in ein Buchüber den Hausgarten des 20. Jahrhunderts: Ist er nicht viel-mehr veraltet und abgetan? Wer jemals den Reiz einessolchen Gartens empfunden hat, wird mit mir anderer Meinungsein. Seine Vorzüge sind gerade das Einfache, dem Zweck Ent-sprechende, Ungesuchte, Wahre, jeglichem Protzentum Abholde.Und indem er neben seinen praktischen Zwecken durch seineEigenart den Besitzer charakterisiert und den ganz individuellenAusdruck einer bestimmten Lebensauffassung, ja den Stempeleiner Persönlichkeit trägt, ist er in gewissem Sinne auch einKunstwerk.