62
DER KRUMME WEG
rechtigter ist der gerade Weg. Deshalb gehören in ein kleines,rechteckiges Gärtchen oder in einen Gartenhof im allgemeinen nurgeradlinige Wege. Ebenso sind sie im Nutzgarten am Platze,da sie die bequemste Ausnutzung des Grundstückes ermöglichen.Deshalb wird der Hausgarten, welcher zugleich Nutzgarten ist,im wesentlichen ein Netz von rechtwinkelig sich kreuzendenWegen aufweisen. Vergl. den Grundplan des Pfarrgartens,Abb. 58 S. 93.
Für einen Rundgang im Garten ist jedoch der krumme Wegvorzuziehen, da es angenehmer ist, einer Kurve als einer recht-winkelig gebrochenen geraden Linie zu folgen. Die Kurve wirdda am Platze sein, wo man nicht auf ein Ziel losgehen, sondernauf einem Spaziergang zum Ausgangspunkte zurückkehren will.Der in einer Kurve verlaufende Weg ist auch durchaus nichthäßlich. Im Gegenteil bilden die zwei parallelen Bogen derWegekanten sehr schöne Linien, wie auf der Abb. 33 zu sehenist. Der krumme Weg erregt erst dann unser Mißfallen, wenner zu stark gekrümmt und deshalb unbequem zu begehen ist,oder wenn er sich schnell aufeinander in wechselnder Richtungkrümmt. Die Frage, ob ein Weg im Hausgarten geradeoder krumm sein soll, streift an sich den Streit darüber, obder Aufbau des Gartens architektonisch oder landschaftlich zugestalten ist, in keiner Weise; denn in einem durchaus archi-tektonisch angelegten Garten können Kreisbogen, also Kurven,vorkommen. Sie ist vielmehr eine Bedürfnisfrage. Dies zeigtsich in unebenem Gelände besonders auffällig. Will man z. B.in einem durch Höhenschichtenlinien von 1 m Höhenabstanddargestellten Gelände einen Weg von bestimmter Steigungentwerfen, so nimmt man die Strecke, auf welche der Weg einenm steigen soll, in den Zirkel und legt diese zwischen je zwei