Druckschrift 
2 (1846) [Aus - Cal]
Entstehung
Seite
772
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772 Burgunder.

Lords North ersetzt ward, erwies er sich seinem gefallenen Wohlthäter dankbar und ver-lheidigte ihn im Parlamente und durch eine eigene Schrift, die er herausgab. In demganzen Laufe des amerikanischen Krieges führte er in der Reihe der Opposition die Sacheder Unterdrückten mit großem Talente und einer rühmlichen Entschlossenheit. Im Jahre1782 löste das Ministerium RockingHam wieder das des Lords North ab und dieneuen Machthaber erinnerten sich des alten Freundes, der ihnen auch im Unglück treu ge-blieben war. Burke ward zum Generalzahlmeister des Kriegswesens ernannt und erhieltSitz im geheimen Rathe. Nach dem Tode Rockingham's, der die Auflösung seinesMinisteriums zur Folge hatte, zog sich Burke zurück. Er nahm in der Reihe derOpposition, an der Seite seines Freundes Fox, eine ausgezeichnete, man kann wohl sa-gen , die erste Stelle ein und erwies sich als einen warmen Vertheidiger der Freiheitenseines Landes und der Rechte des Volkes. Ec brachte wiederholt seine Bill für die Reformein, welche aber nicht durchgesetzt werden konnte. In dem Processe gegen Lord Hastingsals Gouverneur von Ostindien, der so großes Aufsehen gemacht, zeigte er eine Heftigkeitund Erbitterung, die sich spater als die hervorstechenden Züge seines Charakters bemerkbarmachten. Die Opposition bot vergebens ihre ganze Kraft auf, ihre Anstrengungen, vonMännern wie Burke, Fox und Sheridan unterstützt, blieben ohne Erfolg und H a -stings ward von dem Oberhause, vor das er gestellt worden war, frei gesprochen. DerProceß kostete der Regierung über eine Million und dem Beklagten an 70,000 Gul-den. Bei der Behandlung der Frage, ob dem alten Könige, Georg 01., der anGeistesabwesenheit litt, eine Regentschaft zu setzen sei, zeigte Burke dieselbe ge-hässige Leidenschaftlichkeit und vergaß nicht nur, was er als Bürger der Krone, son-dern auch, was er als Mensch einem großen Unglück schuldig war. Zwei Jahre spä-ter gab er seine Schrift: Betrachtungen über die französische Revolu-tion, heraus, die in ganz Europa ein ungemeines Aufsehen erregte und von einergewissen Seite mit lautem, ungetheiltem Beifall ausgenommen ward. Ein berühmterStaatsmann hat sie auch ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen begleitet, diean gründlichem Wissen den Text weit übertreffen. Die Betrachtungen wie der Geist,der sie geboren, haben sich in vergeblichem Streben abgemüht; die Revolution und wasin ihr die Völker und die Menschheit auf dem Wege ihrer Bestimmung weiter gebracht,wirkt fort und wird die Anstrengungen der Selbstsucht und Eitelkeit überleben. Burkehat allen Parteien gedient und allen politischen Ansichten gehuldigt und seinen Beistandgeliehen; nur in Einem blieb er sich gleich, in seinem Hasse gegen Frankreich und die Re-volution , die ihm die Büchse der Pandora war. Bestreiten läßt sich nicht eine große Kraftdes Geistes, mit der ihn die Natur begabt, ein glänzendes Talent, eine oft erschütterndeBeredsamkeit, die aber gewöhnlich von abenteuerlichen Bildern und hyperbolischen Gleich-nissen strotzt und ihr Lebensprincip in feindseliger Aufregung findet. Sie ist dem Ge-witter zu vergleichen mit seinen leuchtenden Blitzen und seinem rasselnden Donner, das aberweder die Erde befruchtet noch die Luft erfrischt. Von der Leidenschaft getrieben war ergewaltig; aber diese Leidenschaft war von bösartiger Natur, nur im Angreifen und Zer-stören wirksam, nur stark, wenn es galt, verhaßt oder verächtlich zu machen. Es fehltihr das Wohlthuende, Begeisternde, das versöhnt, erhebt, den Menschen veredelt, demMenschen befreundet, die Achtung vor seinem bessern Selbst vermehrt und die Tugend unddas Glück zu begründen strebt. Burke starb am 8. Juli 1797.

I. Weitzel.

Burschenschaft, s. Universitäten.