68 Baier«.
Weihrauch kriechender Schriftgelehrten. Diesen unseligen Leidenschaften opferte erSummen, die er von seinem armen Volke mühsam erpreßte, dessen beste Kräfte die ge-fräßigen Harpyen verschlangen, ohne ihm auch nur den geringsten Ersatz zu gewahren,wahrend er für Alles, was eines Volkes Wohlfahrt wirklich fördern, was Bildung undWissen zum Gemeingut Aller machen kann, keinen Sinn hatte. Denn was nützten derNation jene Vergeudungen? — War die Bestimmung derselben doch nur, den fürstlichenVerschwender zu verherrlichen und zu vergöttern so wie ihn angenehm zu unterhalten;war den um ihn versammelten gelehrten Männern doch keine Einwirkung auf das Volkund dessen bessere Bildung gestattet, ward dieses doch geflissentlich unter einem so Unge-heuern Geistesdrucke, in solch fürchterlicher Rohheit niedergehalten, daß es den wohlthäti-gen Einflüssen, die Wissenschaft und Kunst auf dasselbe hätten ausüben können, schonvöllig unzugänglich geworden war."
Noch geistesbeschränkter und noch bigottischer und verschwenderischer zugleich war dernächstfolgende Herzog, Will» elm -V. Er war ein blindes Werkzeug in den Händen derJesuiten, die ihn in jeder beliebigen Art wie eiä Kind gängelten und zu deren Vortheil er dasLand in einer Weise ausbeutete, von welcher man sich fast keinen Begriff zu machen imStande ist. Die Auflagen wurden so ungeheuer erhöht, daß von einem Bauernhöfe, vonwelchem im Jahre 1501 28 Kreuzer jährlich an Staatsabgaben hatten entrichtet wer-den müssen, im Jahre 1595 nicht weniger als hundert Gulden erhoben wurden! Daaber weder der Adel noch die ganz besonders begünstigte Geistlichkeit durch diese Steuern-last direct betroffen wurden, so beliefen sich die jährlichen Einkünfte des Landes doch höch-stens auf 450,000 Gulden. Dessen ungeachtet stieg die Verschwendung immer mehr undnamentlich erbaute Wilhelm den Jesuiten zu München einen Palast, der Millionenkostete. Die machtlos gemachten Stände mußten fort und fort neue Schulden überneh-men, so daß zuletzt sie selbst ebenso wie der Herzog sogar allen Geldcredit einbüßten undBeide nur noch zu höchst wucherischen Zinsen, dann zuletzt gar Nichts mehr geliehen be-kamen. Da verfiel der Herzog aus ein neues Finanzmittel: er verkaufte nicht nur Aemterund Würden, sondern erpreßte auch von seinen Beamten eine Art Zwaugsanlehen, indemer einem Jeden eine Summe ansetzte, die derselbe herbeischaffen und ihm leihen müsse!Land und Leute ohnehin betrachtete er wie sein Privateigenthum, wobei er insbesonderebehauptete, er müsse das Volk gegen dessen eigenen Unverstand schützen und auf die rechteBahn leiten. Alle Rechte wurden darnach mit Füßen getreten; — jene der Landständeinsbesondere waren bereits völlig vernichtet; Gewissensfreiheit gab es nicht mehr, jede kirch-liche Neuerung war vertilgt; selbst der Adel sah, dem Herrscher gegenüber, seine'ganzeMacht gebrochen.
Endlich aber trat die Unmöglichkeit hervor, die Staatsmaschine in der bisherigenWeise ferner im Gange zu erhalten, zumal bei der immer ärger werdenden totalen Zerrüt-tung des Finanzzustandes. Nachdem Wilhelm zuerst einen Theil der Negierungsgeschästeseinem Sohne Maximilian übertragen, sah er sich zuletzt von allen Seiten in Verlegen-heiten gebracht und gleichsam genöthigt, die Regierung förmlich niederzulegen (1598).Er zog sich in eine klosterartige Einsamkeit zurück, in welcher er denn fast wie ein Mönchlebte.
Maximilian I., wohl auch „der große Kurfürst" genannt, war ein Mann, derallerdings seine Vorfahren und zwar namentlich seinen Vater weit überragte. Aber dazugehörte eben nicht viel.
Maximilian erkannte, daß er der bisher stattgehabten maßlosen Verschwendung Ein-halt thun müsse; auch suchte er die Verwaltung des Landes zu ordnen und es gelang ihmnamentlich, ein Heer zu schaffen, vermittelst dessen er Baiern zu heben im Stande war.Allein ein höherer Genius beseelte ihn nicht; seine ganze Anschauungsweise, sein ganzesStreben blieben stets höchst mittelmäßig. Wahrhaft erhaben sich aufzuschwingen wußte«niemals. Wie weit stand er dem preußischen „ großen Kurfürsten," wie weit gareinem Friedrich II. nach! Was ihn erfüllte, war Vergrößerungssucht auf der einen, fana-tischer Glaubenseifer auf der andern Seite. Nie leuchtete er seinen Zeitgenossen auch gei-stig voran, denn genialer Idem gebrach er. —