Baiern.
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selbst, vom Papste dringend verlangt, was dieser, der Papst selbst, sodann bewilligt habe; <—vergebens, daß der Landtag ferner schilderte, wie das ganze Land immer mehr verarme,den Ädel nicht ausgenommen, dessen Güter man seiner fleißigsten Bebauer beraube, sodaß viele Grundstücke öde, Handel und Gewerbe brach lagen; — vergeblich, daß sodannnamentlich der Magistrat der Hauptstadt München (1570) bittend vorstellte, wie dieseeine Gemeinde in Folge jener Vertreibungen der Reformfreunde aus dem Lande über100,000 Gulden (damals eine enorme Summe!) jährlich an Steuern einbüße, währenddas Almosen nicht mehr Mittel genug aufbringen könne, dem täglich höher steigenden Elendezu begegnen; — schnöder Hohn und Drohungen (den Münchnern gegenüber mit Verle-gung der Residenz) waren die Antwort des herzlosen Despoten. Er wüthete mit stets stei-gender Heftigkeit. Jedes Mittel ward angewendet. Er befahl eine allgemeine Ent-waffnung des Bauernstandes, mit Ausnahme der Gränzdörfer, unbekümmert darum,daß nun die Ausrottung von Räuberbanden, von denen das Land wimmelte, unmöglichwurde. Furcht vor dem Volke und Liebe zum Wild scheinen gemeinsam jeneMaßregel hervorgerufen zu haben, denn web zum zweitenmal Wildfrevel beging, ward ausdem Lande verbannt oder gehenkt! —
Schon damals richteten sich die giftigen Pfeile der Tyrannei vielfach gegen diePresse. Druckereien und Buchläden wurden jesuitischen Durchsuchungen und Gewalt-dictaten unterworfen; keinerlei Bücher, auch der unschuldigsten Art (z. B. Grammatiken),durften, wenn sie in protestantischen Ländern gedruckt waren, nach Baiern gebracht werden.Aber auch aus streng kKholischen Gebieten kommende und ganz alte Schriften wurdenunendlich häufig verboten, und zufolge ausdrücklicher Instruction selbst Klostergeistlichenuntersagt, griechische und römische Classiker, Schriften aus denZeiten des Heiden-thums, in ihren Bibliotheken zu dulden.
Herzog Albrccht wollte, eitel wie er war, für einen Beförderer der Wissenschaftengelten. Dies hinderte ihn aber nicht, die berühmtesten Professoren der Jngolstadter Uni-versität, die sich in kirchlichen Dingen seinen beschränkten Ansichten nicht anschlossen, zuvertreiben (unter ihnen den berühmten Apian) und diese Hochschule selbst den Jesuiten zuübergeben, obschon die Anstalt natürlich unter solchen Verhältnissen schnell von ihrer früherenHöhe herabsinken mußte-
Albrecht, der in seiner Jugend öfters an den prunkvollen Höfen zu Madrid undWien verweilt hatte (woher denn auch besonders seine Gewöhnung an den spanischen Herr-scherdespotismus!), wollte den dortigen verschwenderischen Prunk an seinem Hofe fortsetzen,unbekümmert darum, daß das vergleichsweise winzige Baiern es jenem Reiche doch nichtgleich thun konnte, in welchem „die Sonne nicht unterging." Nach seinen Begriffen vonHerrscherthum, Herrscherwürde (!) und dem Glanze des Hofes erheischten diese diemaß- und sinnloseste Verschwendung. Das Land ward mit Schulden überlastet, das Volkmit Auflagen fast erdrückt. Vergeblich alle Gegenvorstellungen, zumal der bereits zurMachtlosigkeit herabgebrachten Stände!
Auch den Beinamen eines Beförderers der Künste wollte sich der eitle Herzog er-werben. Dies eine Hauptquelle der enormsten Verschwendungen. „So heilbringend,"bemerkt ein neuerer Geschichtforscher,^) „solche edle Begierde dem Herzogthume hättewerden müssen, wenn ihr Ziel gewesen wäre, unter dem Volke ein reges Geistesleben zunähren, es in der Kenntniß des Wahren, Nützlichen und Schönen heranzubilden, soschädlich wurde sie demselben dadurch, daß sie Ergebniß ganz anderer Tendenzen, nehmlichnur der auch in dieser Richtung sich lebhaft äußernden Eitelkeit und Prunksucht des Für-sten war. Denn die viel gepriesenen Verdienste Albrecht's um Pflege der Wissenschaftund Kunst in Baiern reduciren sich, von ihrem täuschenden Schimmer entkleidet, aufausschweifende Vorliebe desselben für jene Uebungen und Fertigkeiten, die seine Sinne er-götzten, auf die Sucht, als eingeweihter Kenner in mehreren Fächern des menschlichen Wis-sens zu glänzen, und auf den die Majestät der Wissenschaft verhöhnenden bettlerischen
5) Sugenheim, Baierns Kirchen - und Volkszustände im 16. Jahrhundert.
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