Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
307
Einzelbild herunterladen
 

Z07

wozu ward dem Menschen die Furcht gegeben und die Vor-sorge, als daß er das Übel damit beschwöre und nehme demVerhängnis schon früh die bösen Gedanken weg, sie selberzu denken? Da ärgert sich's wohl, aber schämt sich auch undspricht bei sich: .Sind es noch meine Gedanken? Es sind desMenschen Gedanken, ich mag sie nicht mehr/ Aber was sollaus dem Menschen werden, wenn die Vorsorge nichts mehrgilt und er vergebens fürchtet, nämlich mit Recht? Oderwie soll leben ein Mensch, wenn er sich nicht mehr daraufverlassen kann, daß es anders kommt, als er denkt?"

Gott ist frei", sagte Eliezer.

Jaakob schloß feine Lippen. Er nahm den fallengelassenenScherben auf und schabte wieder seine symbolischen Schwä-ren. Anders ging er vorerst nicht ein auf den Namen Gottes.Er fuhr fort:

Wie habe ich gesorgt und gebangt, ein wildes Tier desGebüsches möchte irgendeinmal das Kind betreten und ihmein Leides tun, und ließ es hingehen, daß ich ein Gespött warin meiner Angst vor den Leuten, und nahm's in den Kauf,daß sie sprachen: .Seht doch die alte Amme!' Und warlächerlich wie ein Mensch, der da immerfort spricht: .Ichbin krank, ich bin sterbenskrank!', sieht aber gesund aus undstirbt nicht, und niemand nimmt'S ernst und schließlich erselber nicht. Da aber sinden sie ihn tot und bereuen die Spott-lust und sprechen: .Siehe, er war kein Narr.' Kann derMann sich noch gütlich tun an ihrer Beschämung? Nein,denn er ist tot. Und wäre lieber ein Narr gewesen vor ihnenund vor sich selbst denn gerechtfertigt auf ungenießbareWeise. Da sitz' ich im Kehricht, hochrot und geschwollen istmein Gesicht vom Weinen, und über mein Antlitz gehen

20 *