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Käthchen. Bitte, bitte nur ein kurzes Augenblickchen,meine liebe gnädige Frau, er ist drüben auf das Gerichtgegangen und wird sofort wieder hier sein.
Frau Grotemeier. Nun wenn er dort Geschäfte hat,so wird es doch noch einige Zeit dauern können und ichwollte mit dem Bahnzuge um 12*/» Uhr wieder abreisen.
Käthchcn. Es ist nur eine ganz kurze Verhandlung.Eine Ehescheidungssache, und derlei Affairen werden, wiesie ja wissen, im Handumdrehen entschieden.
Frau Grotemeier. Ehescheidungen im Handum-drehen? !
Käthchen. D. h. wenn mein Mann den Proceßführt, es ist nämlich seine Specialität.
Frau Grotemeier. Das trifft sich ja eigenthümlich.Ich bin aufs Gradewohl hierher gekommen, — auch ineiner Ehescheidungssache.
Käthchen. In einer Ehescheidungssache?
Frau Grotemeier. Bitte, denken Sie deshalb nichtschlecht von mir.
Käthchen. Ich sollte schlecht von Ihnen denken?Wenn ich Ihre Züge betrachte, sie sehen so vornehm aus,und die echte Vornehmheit ist ja stets mit Güte undNachsicht gepaart. Nein, wenn Ihre Ehe keine glücklicheist, so sind Sie sicher nicht der schuldige Theil.
Frau Grotemeier. Sagen Sie mir nur eins, meineLiebe. Sie sehen so überglücklich in Ihrer jungen Eheaus, — Ihr Mann ist gewiß ein Spiegel der Voll-kommenheit.
Käthchen. Ein Spiegel der Vollkommenheit? SolcheMänner giebt es eben so wenig in der Welt, wie solcheFrauen. Aber er ist mein Mann und ich bin sein Weib,und deswegen lieben wir uns und forschen gegenseitigunsere Lichtseiten aus, nicht unsere Schattenseiten. Ja,wenn wir Jeder mühsam die Fehler des Andern aufsuchenwollten, ich glaube, wir würden schon unglücklich sein,während des Suchens, und schließlich würden wir denken,viel mehr schwarze Punkte gefunden zu haben, als inWirklichkeit da sind. Aber wollen Sie nicht ein wenigniedersitzen? (Sie nöthigt Frau Grotemeier auf einen Sessel.