4c>6
liegt bisweilen auf dem Consonanten, bisweilen auf dem Vo-eal. Die accentuirte Sylbe muß man in der Aussprache durchmehr Nachdruck bezeichnen und sie vor den übrigen, über dieman leichter binweg geht, heraus heben. Vorausgesetzt also, daßman die grammaticalische Tonstimmung der Worte (Accentui-rung) inne hat, ist es eine Hauprregel, bey öffentlichen Vor-trägen jedem Worte denselben Accent zu geben, den es in derSprache des gemeinen Lebens hat. Wirklich wird gegen dieseRegel sehr häufig gefehlt. Viele Personen sprechen, wenn sieöffentlich und mit Feyerlichkeit reden, die Sylben auf eineganz verschiedene Weise aus, als sie sonst zu lhun gewohntsind. Sie verweilen auf ihnen, dehnen sie über die Gebühraus, und vervielfältigen die Accente auf einem und demselbenWorte; und das alles in der irrigen Meinung, ihrer Redemehr Kraft und Nachdruck zu geben und die Feyerlichkeit desöffentlichen Vortrags dadurch zu erhöhe». Allein es ist dießeiner der größten Fehler, die man gegen die gute Aussprachebegehen kann. Man verfällt dadurch in eine falsche, theatrali-sche Manier, und die Sprache bekommt ein erkünsteltes, un-natürliches Ansehen, wodurch sie an Anmuth und Eindring-lichkeit gleich sehr verliert.
Es erfordert bey öffentlich zu haltenden Reden keinen ge-ringen Grad von Sorgfalt, den Athem immer dergestalt inseiner Gewalt zu haben, daß man nie genöthiget wird, Wortevon einander zu trennen, welche in einer so genauen Verbin-dung stehen, daß sie-in einem Zuge, und ohne die geringsteTrennung ausgesprochen werden müssen. Mancher Gedankewird bloß dadurch verstümmelt, und seines ganzen Nachdruckesberaubt, daß die Theilung an der Unrechten Stelle angebrachtist. Uni dieß zu vermeiden, muß der Sprechende vorzüglichdarauf bedacht seyn, immereinen hinlänglichen Vorralh vonArhem für das, was er sagen will, in Bereitschaft zu haben.ES ist ein großer Jrrthum, sich einzubilden, daß man bloßam Ende eines Perioden, wo die Stimme fallen darf, Achemhohlen könne. Es kann eben sowohl in den Zwischenräumen