ander darstellen soll/ desto sorgfältiger hat er auf einen ver-mittelnden Zwischenausdruck zu sehe»/ wenn sein Spiel keinenSprung machen, keine, wenigstens scheinbare,'Widernatürlich-keit enthalten soll. Ein Verstoß gegen diese Regel ist ungefähreben das, was in der Musik eine verbothene Quinten- oderOctaven-Folge ist. Diese ist auch ein nicht stäliger Übergangaus einer Harmonie in die andere. Es frägt sich also, wovondie größere oder geringere Verwandtschaft der Affectcn abhänge,und woran ste erkannt werde?
Affecten sind um so näher verwandt, je mehr der Tonund die Bewegung des einen dem Tone und der Bewegungdes andern ähnlich ist; und sie sind um so entfernter, je mehrTon und Rhythmus unähnlich sind; denn ein Affect kann umso leichter entstehen, je mehr er in Ton und Bewegung einemschon vorhandenen ähnlich ist, und sein Entstehen wird um somehr erschwert, oder verhindert, je mehr sein Ton und seineBewegung von jenen des vorhandenen Affectes abweichr, undje weniger die Seele für ihn gestimmt ist.
Bey der Verwandtschaft zweyer Affeetcn kommt also nichtsdarauf an, ob sie beyde angenehm, unangenehm, gemischt,oder in dieser Absicht ganz verschieden sind. Der angenehmsteAffect kann mit dem unangenehmsten sehr nahe verwandt seyn,wenn sie nur in Ton und Bewegung, oder auch in der letzter»allein/ sehr ähnlich sind. So geht z. B. die ausschweifendsteFreude sehr leicht in den wildesten Zorn über, wovon die oftblutigen Händel bey Trink- oder andern Freudengelagen Zeug-niß geben; denn Zorn und ausschweifende Freude sind einan-der ähnlich in der wild fortstromenden Bewegung und in derbrausenden Heftigkeit des Tones, der alle Fibern spannt undden Klang jeder berührten Saite in der Seele verdoppelt.Eine Pause, in der Declamacion wenigstens, kann oft denÜbergang aus einem Affecte in den andern erleichtern, sie darfaber nur gebraucht werden, wenn sie natürlich ist.
Zum Schluffe höre der angehende Redner noch die Stim-men einiger Tiefdenker, alter und neuerer Zeit, welche, theils