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Die Schreibart dieser Briefgattung ist entweder die nie-dere, oder die m it tl ere. Die erstere findet Statt, wennder Brief einen Gegenstand aus dem Gebieth des Niedrig-Ko-mischen behandelt, wo dann auch Provincialismen und andere,sonst fehlerhafte Ausdrücke erlaubt find. Der feinere, mehrschneidende, sich der Satyrs nähernde Witz fordert die mittlereSchreibart. Hier sind insbesondere die feineren, verschleyertenAnspielungen an ihrer rechten Stelle.
Be y dcr ganzen Briefgattung überhaupt aber lasse mansich die Beobachtung folgender Regeln sehr angelegen seyn:
и) Man wähle immer die angenehme, oder die schwache,oder die scheinbare Seite eines Gegenstandes zum Ziel seinesWitzes.
к) Man hüte sich vor dem erzwungenen, falschen, einseiti-gen, einförmigen, abgenutzten, platten, frostigen und geschraub-ten Witz. Gleich der gesunden Vernunft gibt es auch einen ge-sunden Witz, der immer am meisten wirkt.
c) Man überlege sorgfältig, ob der gewählte Gegenstandzur witzigen Behandlung wirklich geeignet sey; sonst geräthman in die Gefahr, etwas Unschickliches oder Unwürdiges zuthun, statt witzig zu seyn — zu witzeln und mit dem Witze zucokettiren *).
ck) Man lasse sich vom Witze nicht unbändig fortreißen,sondern wisse seiner stets Herr zu bleiben, und ihn im Zügel zuhalten. Auch der treffendste Witz wird fehlerhaft und unerträg-lich, sobald er das Maß der Dauer und der Fülle überschreitet.
e) Der Witz werde nicht beißend und bitter; denn so frey,keck und übermüthig der witzige Brief auch einher schreitet, sodarf er doch die Gesetze des Wohlstandes und der Humanitätnicht im geringsten verletzen.
*) Wer seinen Wih über ehrwürdige, wichtige und ernsthafteGegenstände ausgießt, zeigt sich entweder herzlos oder unklug,und macht sich verächtlich und verhaßt. Der Witz darf nuralberne Verhältnisse des Lebens und Schwächen, Unvollkom-menheiten und Thorheiten der moralischen Welt antasten.