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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
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317
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Ein eigentlicher Empfindungsbrief wird daher allzeit miß-lingen/ sobald der Schreibende von der Empfindung nicht wirk-lich erwärmt ist, sondern nur ein angenommenes Gefühl schonausdrücken will.

Die Schreibart dieser Briefgattung wird nicht nur durchdie höhere oder geringere Bildung des Schreibenden und desje-nigen/ an welchen geschrieben wird, in einzelnen Fällen be-stimmt, sondern noch mehr durch den Grad der Stärke desherrschenden Gefühls. Es kann daher sowohl der niedere alsauch der mittlere ja selbst der höhere Styl Statt finden,wenn die Empfindung auf den höchsten. Grad gesteigert wird.Nur muß man im letzter» Falle sehr behutsam seyn, um nichtin Schwulst und Bombast zu verfallen.

Die Wärme und Innigkeit des Empfindungsbriefes be-freyt denselben von den Fesseln der durch die strenge Conve-nienz eingeführten Titulaturen und Formeln; denn er grün-det sich auf die Heilighaltung der natürlichsten und wesentlich-sten Verhältnisse des menschlichen Lebens. Die Courtoisie ver-schwindet daher; und so wie der Empfindungsbrief unter allenGattungen des Briefstyls das weiteste Feld hat, so bewegt ersich auch am sreyesten, liebt keine langen Eingänge, keine schul-gerechten Schlüffe u. d. gl. Nur ein Verhältniß erforderthier eine Beobachtung gewisser Ausdrücke, das Verhältnißdes Jüngern zum Eltern, z. B. der Kinder und Altern oderLehrer. Hierin darf weder Willkühr noch Nachlässigkeit Stattfinden.

§. ist.

Witzige und launige Briefe.

Diese Briefgattung gibt mehr als irgend eine andere diehäufigste Gelegenheit zu Verstößen, Kränkungen und Beleidi-gungen ohne Willen. Witzige und launige Briefe sind dahermit einiger Sicherheit nur an solche Personen zu schreiben, diewir nach allen Verhältnissen ihres Lebens genau kennen, nähm-lich an vertraute Freunde, Verwandte und alte Bekannte.