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Mit der Courtoisie aber verfährt der witzige und launigeBrief nicht nur sehr leichtsinnig, sondern er treibt sogar oft mitihr ein unwilliges Spiel, und macht sie durch Parodie lä-cherlich.
§. > 5 .
Belehrende Briefe.
Der belehrende oder didaktische Brief hat die Absicht,einer wirklichen oder als wirklich angenommenen Person, in ir-gend einer Wissenschaft oder auch in einem einzelnen Theilederselben, Unterricht zu ertheilen, und zwar auf eine, alle ab-stracte Trockenheit vermeidende, populäre und angenehme Weise.
Hieraus ergibt sich, daß der didaktische Brief, gleich demGeschäftsbriefe, nur wegen der Form, nicht aber dem Stoffenach, zur Briefgattung überhaupt gehört, folglich den — fürdie Behandlung und Darstellung wissenschaftlicher Gegenständegegebenen Gesetzen unterliegt. Darum sagt auch der scharfsin-nige Hugo Blair von diesen Briefen:
„Obschon das Titelblatt sie als Briefe an einen Freundankündiget, so verschwindet doch dieser Freund, so wie die ersteAnrede vorüber ist, und wir sehen gar bald, daß cs eigentlichdie Lesewelt ist, mit welcher der Verfasser Briefe wechselt. DieEpisteln des Seneca sind von dieser Art. Es ist nicht wahrschein-lich, daß diese letztern jemahlS als wirkliche Briefe an Jeman-den geschickt worden sind. Es sind nichts als vermischte Abhand-lungen über moralische Gegenstände, welche der Verfasser fürgut befand, in Briefe einzukleiden. Selbst wenn Jemand ei-nen wirklichen Brief schreibt, in welchem er irgend einen beson-der» Gegenstand umständlich ausführt, irgend einem Leidendenmoralische oder religiöse Tröstungen ans Herz legen will: sosteht es ihm in einem solchen Falle frey, ganz als Theolog oderals Philosoph zu schreiben, und er kann ohne Bedenken dieSprache und den Vortrag des einen oder des andern anneh-men. Man beurtheilt einen solchen Verfasser nicht, in wie ferner einen Brief schreibt, sondern in wie fern er einen Aufsatz