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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Der Wohlstandsbrief.

Der Wohlstandsbrief soll unsere Gefühle'der Achtung,Verehrung, Dankbarkeit und Ergebenheit gegen diejenigen Per-sonen bezeigen, mit welchen wir durch Stand und Amt, oderdurch Familien - Verhältnisse in entfernterer oder näherer Ver-bindung stehen. Hierher gehören also:

Gl ückwunschungsb riefe, Condolenz-Briefe,Danksagungsbriefe rc. Alle Wohlstandsbriefe gründensich auf die eingeführte Convenienz, welche wir der bürgerlichenVerhältnisse wegen zu beobachten haben. -

Der Wohlstandsbrief nähert sich theils dem Geschäftsbriefe,theils dem sentimentalen oder Empfindungsbriefe. Dem erster»durch die genaue Beobachtung der Courtoijie nach den Vor-schriften der Convenienz; dem letzter» in der innern Form, wel-che nicht so trocken seyn darf, wie jene des Geschäftsbriefes, dader Wohlstandsbrief allerdings Empfindung ausdrücken muß,nur nicht so frey und unbefangen wie der eigentliche Empfin-dungsbrief. Bey der Ausarbeitung des Wohlstandsbriefes mustvorzüglich der Verstand und dieBeurtheilungskraft thätig seyn;die Phantasie und das Gefühlsvermögen aber dürfen nur in gehö-riger Unterordnung als Unterstützungsmittel bescheiden milwirken.

Hieraus ergibt sich, daß der Wohlstandsbrief nur für dieniedere oder mittlere Schreibart geeignet ist. Welche von bey-den für jeden einzelnen Fall als die schicklichere zu wählen sey,dieß hängt theils von der Veranlassung, dem Stoff und demdurch ihn herbey geführten Hauptgedanken, theils auch vondem Grade der Bildung ab, welchen diejenige Person besitzt, anwelche der Brief gerichtet ist. So wird z. B. der Brief, worinwir gegen unfern Wohlthäter den Tod seines Freundes be-trauern, allerdings für die mittlere Schreibart geeignet seyn,wenn anders unser Wohlthäter ein Mann von einiger Bil-dung ist.

Die Wohlstandsbriefe sind unter allen Briefgattungen dieschwierigste, und zwar vorzüglich aus folgenden Ursachen: