Druckschrift 
1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

5,2

die Aufmerksamkeit und das Wohlgefallen des Lesers auf demeinen Punct zu sehr verweilen, von dem andern aber zu wenigangezogen werden.

Aus dem Bisherigen zeigt sich also, was der Brief-Concüpient vorzüglich zu vermeiden habe, um gut und zweckmäßig zuschreiben; nähmlich:

1. Jede künstliche Anlage des Plans, sie müßte denn mitnoch mehr Kunst versteckt seyn;

2 . alle verwickelten, dunkeln und schwer zu fassenden Be-griffe ;

3. jede zu mühsame oder ganz zu lockere Jdeen-Verbin-dung. So glaubt Mancher durch irgend ein:und, so,"u. d. gl.alles Mögliche mit einander verbinden zu können;

4- alle kühnen Phantasie-Bilder und Rede-Figuren ;

5. alle kunstvollen Perioden;

6. alle schulgerechten Einrheilungen, es seyen nun Haupt-oder Unterabtheilungen;

alle schwerfälligen und gedehnten Sätze;

6. alle weitläufigen und schleppenden Folgerungen;

g. alle zu plötzlichen, ganz unvorbereiteten Sprünge.

§. 10.

Theile des Brieses.

Die nothwendigen Hauptrheile eines Brieses sind:

1 . Die Anrede oder Einleitung. Es ist dem gutenTone gemäß, daß das Ich des Schreibenden hier, so viel alsmöglich, verschwinde, und die Beziehung aus die Person, zuwelcher man spricht, hervorleuchte. Deßhalb wird auch die, mitdieser Anrede verbundene Einleitung gewöhnlich von dem Cha-rakter jener Person, von der Sache selbst, z. B. von ihrer Wich-tigkeit, Nothwendigkeit rc., oder von der veranlassenden Gele-genheit, äußerst selten aber von der Person des Schreibendenselbst zu nehmen seyn, weil das Letztere immer einen ungünsti-gen Egoismus zeigt, oder wenigstens vermuthen läßt.