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einem Briefe eben so nachtheilige Wirkung, als im gesell-schaftlichen Umgänge. Witz und Lebhaftigkeit wird dadurch kei-neswegs ausgeschlossen. Beyde gefallen in Briefen, eben sowie im gesellschaftlichen Leben, wenn sie leicht dahin fließenund nicht gesucht sind; wenn sie, ohne den Vortrag zu über-laden, gleich der Würze, mit sparsamer Hand angebracht sind.Wer, es sey im Gesvräch oder in Briefen, immer glänzenund schimmern will, wird nicht lange gefallen. Auch darf dieSchreibart der Briefe nicht allzu sehr abgerundet werden. Siemuß fein und correct, aber nichts weiter seyn. Jede Künste-ley in Ansehung des Ausdrucks verräth absichtliche Mühe. Da-her können musikalische Perioden, und jedes Bestreben nachWohlklang und Harmonie, in Briefen nicht sorgfältig genugvermieden werden. Die besten sind gemeiniglich diejenigen,welche ihr Verfasser mit der größten Leichtigkeit schrieb. Wasdas Herz oder die Einbildungskraft uns eingibt, fließt im-mer am natürlichsten. Aber wo kein Anlaß vorhanden ist, derdiese erwecken, und jenes zur Theilnahme reizen könnte, da istauch der Zwang unvermeidlich.'' —
2. Üblich keit und Schicklichkeit. Der Concipientdes Briefes vermeide jeden bizarren, gesuchten Ausdruck, undhalte sich immer an die in der guten Umgangssprache ge-wöhnlichen. Dabey aber vergesse er nie, zu bedenken, in wiefern ein Ausdruck mehr als der andere in Ansehung derjenigenPerson, zu welcher er spricht, angemessen und schicklich sey.
3. Lebhaftigkeit. Der Briefstyl soll zwar alleneigentlichen Schmuck vermeiden; er muß sich aber auch sehr vor-dem entgegengesetzten Fehler der T r o ck e n h e i t und Einfo r-migkeit hüten, indem er sonst in dem Leser, statt ihn zu er-wärmen und zu gewinnen, lange Weile und Widerwillen er-regen, folglich seine Absicht schwer oder gar nicht erreichen wird.
4- Verhältnißmäßigkeit der Th eile. Sobaldein Theil des Briefes zu ausführlich oder zu sorgfältig, der an-dere aber zu kurz, zu flüchtig und nachlässig behandelt ist, mußdie Wirkung desselben nothwendig geschwächt werden, indem