stunde; diesen Schwarm von Erscheinungen, die sich unfernAugen zeigen, und plötzlich wieder verschwinden; diesen Wechselder Ehren und der Güter des Lebens, die beginnen und verge-hen, sich erheben und fallen; diese Scenen von Jammer, vonheimlichem bald, und bald von sichtbarem Jammer, die sich im-merfort erneuern; diese Reihe von Veränderungen, in unfernKörpern, durch die abnehmende Natur, in unfern Seelen, durchdie Unstätigkeit unserer Begierden; kurz, chiese allgemeine undunaufhörlicheZerrüttung der menschlichen Dinge, welche, so na-türlich und so untergeordnet sie unfern Augen zu seyn scheinet,dennoch ein Werk der allgewaltigen Hand Gottes und der Rathseiner ewigen Vorsehung ist. Allein, Dank sey dem Herrn! ichhabe eine Fürstinn zu loben, die weit erhabener durch ihre Reli-gion, als durch ihre Geburt ist." —
So bedient sich auch Montaigne der Gegensätze, da er dasThörichte in dem Betragen jener Menschen beweisen will, dieihre Leihen gern noch großer zeigen, als sie sind, um dadurchdas Mitleid und die Thronen anderer Menschen zu erwecken:
„Wer sich ohne Ursache beklagen läßt, der ist ein Man»,den man nicht beklagen wird, wenn Ursache dazu vorhanden ist.Den wird man nie beklagen, der beständig sich selbst beklagt,und ohne Ursache winselt, so daß er dadurch weiter kein Er-barmen erregt. Wer bey seinem Leben thut, als ob er todt sey,den kann man leicht für lebend nehmen, wenn er wirklich stirbt."
§. 2o.
Vom Beyspiele.
Das Beyspiel, dessen sich der Redner als eines überzeugen»den Beweisgrundes bedient, gehört eigentlich zu der Induc-tion *), da es b e so n d e r e Falle anführt, um dadurch eineallgemeine Wahrheit um so mehr einleuchtend zu machen, wiez. B. Plutarch in der folgenden Stelle die Schädlichkeit desZorns in allen Fällen, und den Vortheil der Gelassenheit dar-zuthun sucht: