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§> 3o.
Die ausführliche und schwache Schreibart.
Sie verweilt gerne bey jedem Gedanken, entwickelt ihnsorgfältig, zeigt ihn von verschiedenen Seite», läßt sich auf Ne-benumstände fast eben so viel als auf die Hauptsache ein,und will durch wiederhohlte Eindrücke wirken. Sie bedient sichdaher aller Figuren, welche Erweiterung des Vortrags Hervor-bringen, und gibt den Perioden Länge, um nur Raum zu ge-winnen und mir breitem Strome dahinzufiießen. Eine Fülle vonWorten, Umschreibungen, Synonyme, Nerbindungsworter,wohlvorbereiceter Übergänge, Verzierungen aller Art, und ge.dehnte Wendungen sind ihr dazu die besten Mittel.
Muster dieser Schreibart, in sofern sie noch nicht fehlerhaftist, sind: Herodot, Livius, Cicero, Wieland, Herder, Ehren-berg rc. Diese Schreibart sagt dem Redner allerdings zu, weilschone und glänzende Ausführlichkeit die beste Gelegenheit unddas weiteste Feld verschaffen, um allen Aufwand, die ganzePrachtfülle und den vollen Reichthum der Sprache und Bered-samkeit zu entwickeln und auszubreiten.
Wenn aber der Wortschwall zu groß wird; wenn man dienähmlichen Ideen beynahe mit den flähmlichen Ausdrücken undWendungen, oder nur mit unbedeutenden Zusätzen und Ände-rungen, wiederhohlt, und den Leser nichts selbst errathen, garnicht selbst denken und empfinden läßt, so entartet die ausführ-liche Schreibart zur schwachen, matten, weitschweifigen undwässerigen, deren gänzlicher Mangel an Kraft, die Aufmerksam-keit des Lesers ermüdend, Überdruß und lange Weile erregt.
§. 3i.
Die gedrängte, kräftige, starke Schreibart.
Sie will mit wenigen Worten viel sagen, und bestrebtsich in allem der bündigsten Kürze; wählt stets die ausdrucks-vpllsten Worte und die kräftigsten Redensarten. Sie bedient sich