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men gelingen soll; denn sie fordert, daß der Schriftsteller mitdem ausgebildetsten Kopf das beste und edelste Gemürh verei-nige, Herr seiner selbst, und Meister der Sprache sey.
Dieser Schreibart entgegen steht die gekünstelte, gezierteund affecrirte, welche einfache Schönheit und Wahrhaftigkeiterheuchelt, und von beyden gleich weit entfernt ist.
§. 29.
Die zierliche und blühende Schreibart.
Sie! ist ein höherer Grad der vorigen, der aber noch nichtan das Fehlerhafte gränzt. Sie zeigt schon mehr Sorgsiilr.Der Schriftsteller, welcher sich ihrer bedient, verhehlt das Stre-ben nach Schönheit der Darstellung wenig oder gar nicht. Leb-haftes Farbenspiel, sorgfältig gegründete Perioden, gewählteWorte und Wendungen, Eleganz und Mannigfaltigkeit, sindihre Eigenthümlichkeiren. Der Wohlklang ihrer Rede ist schonmehr musikalisch. Sie duldet zwar weder Schimmer nochSchminke, gefallt sich aber in ihrem zarten Schmucke. Sie laßtsich daher leichter erwerben, als die vorige, gelingt oft besser,und findet auch unter den gebildeten Lesern stets ihr Publicum,welches für den hoheru Grad der einfachen Schönheit wenigerSinn und Empfänglichkeit hat; wogegen die zierliche und blü-hende Schreibart, da sie dem Ohr schnzxichelt und den Geistgerne täuscht, durch tausenderley, wenn auch hier und da er-borgte, Reize zu gewinnen und zu fesseln vermag. Ihr ganzesWesen ist frisch, jugendlich, höchst lebhaft und lockend. Symme-trische Verhältnisse zeigen sich hier überall. Alles ist gefeilt undwohl abgemessen- voll planmäßiger Stufenfolge, der Schluß-fall jedes Perioden vorbereitet. Dionys von Halikarnaß ver-gleicht diese Schreibart mit einem klaren und lebendigen O.uell-waffer, welches immerfort mit Leichtigkeit dahinsprudelt, mir ei-nem Seidengewebe voll sanfter Schattirungen, und mit einemschonen Gemählde von klugbehandelter Farbengebung.