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§. 2k.
Die einfache und kunstlose Schreibart.
Man würde sehr Unrecht thun, sie mit dem trockenen Stylin Eine Elaste zu setzen. Die einfache Schönheit ist die edelste,und sehr oft die ergreifendste; dieß bewähren uns die unsterb-lichen Meisterwerke der Griechen und einiger Römer. Vortreff-liche Vorbilder für den Jüngling sind Homer, Herodor, Teno-phon, Demosthenes, Livius, Julius Cäsar; und unter denDeutschen: Engel, Garve, Göthe re.
Weit entfernt, blumenreich zu seyn, athmet diese Schreib-art doch stets eine eigene Anmuth voll Natürlichkeit. Wenn dertrockene Styl schwerfällig über die Erde schreitet, so schwebtdiese den niedern Flug der Schwalbe, gesellig und vertraut.Der Schriftsteller, welcher sich dieser ungekünstelten Schreibartbedient, erscheint immer als der Freund des Lesers.
Die einfache Schreibart erkennt zwar, gleich der trockenen,die Deutlichkeit als ihr höchstes Gesetz; aber sie verbindet da-mit mehr liebliche Reinheit, mehr anziehende Innigkeit undeinen sanften Fluß der Rede. Figuren und andere Verschöne-rungsmittel verwirft sie zwar nicht geradezu, aber sie hegt im-mer einige scheue Behutsamkeit dagegen, und bedient sich ihrermit größter Bescheidenheit und Mäßigung. Sie wird manch-mahl selbst lebhaft, aber nie mehr als edler Anstand es erlaubt.Die Begriffe sind klar, die Empfindungen rein, und der Aus-druck ist mit beyden im schönsten Einklang. Sie wandelt immerden geraden Weg, ohne Mannigfaltigkeit der Seitensprüngeund Wendungen, und ihre Einheit gewahrt allenthalben denerfreulichsten Überblick. Sie meidet jede Spur ängstlicher Sorg-falt für Schmuck und Schimmer, und wandelt, so zu sagen,ebene Bahn in köstlicher Unschuld. Sie scheint manchmahl sogarnachlässig, ohne es doch zu seyn. Mancher Uncrfahrne hält siedaher für die leichteste Darstellungsart, und sie ist doch geradedie schwierigste von allen, wenn sie in der Ausübung vollkom-