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§. »3.
Begeh rungsvermögen.
Das Begehrungsvermögen bestimmt uns durch Triebe undVorstellungen zu Willens-Äußerungen und Handlungen. Es istein höheres oder niederes, je nachdem die bestimmen-den Motive auf sinnlichen oder vernünftigen Trieben beruhen.Der Einfluß des Begehrungsvermögens auf die Darstellungs-weise ist sehr groß. Der Styl des Schriftstellers nimmt dieFarbe der in ihm vorherrschenden Triebe und Vorstellungen an.Wie höchst verschieden ist der Ausdruck des von heftigen, uned-len und unreinen Leidenschaften bestürmten Menschen, gegenden Styl desjenigen, der seiner Triebe Herr ist ! Manches ein-zelne Wort ist hinreichend, das Innerste eines Schriftstellerszu entdecken. Welche böse Folgen, welche bittere Reue brachtemancher, in einem leidenschaftlichen Augenblick gebrauchte, nach-her vergebens von dem Verfasser selbst mißbilligte Ausdruck!Veredlung des Begehrungsvermögens sey daher, schon in dieserHinsicht allein, des Jünglings angelegentlichste Sorge!
§. » 4 -
Logische Principien.
Um richtig zu schreiben, muß man zuerst richtig den-ken. Dieses Letztere lehrt uns die Logik. Der Kopf desSchriftstellers muß daher vor allem logisch ausgebildet seyn;er muß die allgemeinen Denkgesetze kennen; er muß wissen,was allgemeine, untergeordnete, und coordinirte Begriffe undSatze seyen, muß die deutlichste Kenntniß haben von dem We-sen und den Eigenschaften der Definitionen, Deduktionen, Di-stinctionen, Partitionen, Vorstellungen, Anschauungen, Ur-theile und Schlüffe. Mehrere griechische Rhetoriker haben deß-halb die Rhetorik in Verbindung mit der Logik vorgetragen;denn jedes stylistische Product muß ein logisches Skeletthaben, welches durch den Vortrag bekleidet wird. Will man da-