Druckschrift 
1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

»O nein, noch keiner ist vor ihn gekommen,

Er will allein seyn, scheint vertiefe in Sorgen.

Ein kund'ger Freund hat eben mir beschworen,

Daß tzie Jnfantinn jetzt ihn sprechen wolle,

Ein feierlich Gehör bey ihm gefordert,

Und man erwartet davon wicht'ge Folgen."

,,Jch nah'in Demuth bethend dir,

Den Saum des weißen Kleides fassend, bitt* ich dich,

Es sey auch dieser letzte Fehltritt mir verzieh'«.

Bald bin ich ewiglich getrennt von deinem Licht,

Wenn mir im Tod die letzte Hoffnung noch verlischt."

Communicatio, wozu auch Permissiv gehört.Die erstere besteht darin, daß der Redner sich an den Zuhörerwendet, um sich mit ihm zu besprechen ; z. B.:

Nun frage ich euch selbst, ihr Richter, was hier zuthun sey?" Cicero.

Die Permission besteht darin, daß man etwas denRichtern oder dem Gegner selbst zu beherzigen überlaßt. DieseFigur hat den Vortheil, daß-sie-dem Redner das Vertrauen desZuhörers gewinnt, indem der letztere sich dadurch geschmeicheltfühlt, daß die Entscheidung einer Sache gleichsam der anerkann-ten Stärke seines Verstandes übertragen wird. Auch die geist-liche Beredsamkeit hat sich ihrer oft mit Vortheil bedient;z. B.: Mosheim in seiner Predigt von den Eigenschaften wah-rer Christen:

Was würdet ihr sagen, wenn sich jemand erkühnte, zubehaupten, der Samen könnte rein und erlesen, das Erdreichkonnte schön, gesäubert und fett, die Witterung könnte bequemund fruchtbar seyn, und es könnte der Samen in der Erde dochverfaulen, und keine Früchte tragen? Würdet ihr euren Ohrentrauen?"

Congruenz. Nachbildung der Naturtöne durch Worte,ohne Bestreben, selbst den Laut des Naturtones hören zu las-sen ; z- B.: das Rollen des Donners, das Brausen des Stro-mes, das Murmeln des Baches. Will man sogar den Laut des