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Stirne. An den Füßen sind Flügel. Manchmal stützt sie dieHand auf ein, als Sinnbild der Geschwindigkeit, neben ihrrollendes Rad. Die Siege des Prinzen von Eondo, mit demBeynahmen der Große, wurden allegorisch so vorgestellt: dieGörrinn der Geschichte halt ein Buch, auf dessen Rücken dieWorte stehen: Leben des Prinzen Condo. Sie reißt einigeBlätter heraus, und wirft sie auf die Erde. Auf diesen Blat-tern liest man: Entsatz von Cambray, Rückzug von Arras, undmehrere Kriegsthaten, welche dieser Fürst, einer der größten fran-zösischen Feldherren des 17. Jahrhunderts, wider seinen Königund sein Vaterland unternahm, und die man daher für zu sträf-lich hielt, um sie unter den Schilderungen seiner Siege aufzustel-len, und zu glänzend, um ganz weggelassen zu werden *).
In der Prosa ist ein allegorisches Ganzes eine selteneErscheinung; desto oster kommt aber die theilweise Allegorievor; denn die Allegorie gehört, so wie die Metapher, zunächstdem leidenschaftlichen Gemüthszustande an, und liebt daher dieKürze. Bey dieser Figur ist vorzüglich daraus zu achten, daßdas Bild, welches sie uns statt des darzustellenden Gegenstan-des gibt, denselben kräftiger und deutlicher als der eigentlicheAusdruck bezeichne. Nebst dem muß aber dieser darzustellendeGegenstand durch die Hülle des Bildes stets bemerkbar hervor-schimmern, damit er ohne mühsames Enträthseln erkannt werde,und die didaktische Tendenz, welche mit der Allegorie gewöhn-lich verbunden ist, nicht verloren gehe.
Fabeln, Parabeln und Paramyrhien gehören zur Allegorie,als ihrer Gattung. Die Moral der Fabel ist der in eigentlichenWorten ausgedrückte Sinn der Allegorie. Ein schönes Bey-spiel gilt uns Herders allegorische Dichtung:
Der Schlaf.
In jener Schar unzählbarer Genien, die Jupiter für seineMenschen erschaffen hatte, um durch sie die kurze Zeit ihres
*) S. Le Brüns Handwörterbuch der Seelenmahlerey.