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ches, eine Erfindung der Schule/ und bloße Hülfsmittel derKunst. Sie werden im Gegentheil dem Menschen von der Na-tur selbst gelehrt/ und sind unter gewissen Umstanden die tref-fendsten Mittel für den echten Ausdruck unserer Empfindungenund Gedanken. Der Ungelehrte/ welcher die Rhetorik nicht demNahmen nach kennt/ bedient sich der rednerischen Figuren nichtminder als der Geweihte der Kunst. Wird die Phantasie oder dieLeidenschaft des gemeinen Mannes entstammt/ so ergießt sichseine Sprache in einen Strom figürlicher Ausdrücke und Wen-dungen / wie nur der geschickteste Redekünstler sich ihrer bedie-nen konnte.
Die Figuren/ welche Cicero Sterne oder Lichter der Redenennt, dienen.also theils zur Lebhaftigkeit des Ausdrucks/ theilszur Verschönerung/ theils um eine Sache desto anschaulicher zumachen und ins hellste Licht zu setzen. Sie vermehren Len Reich-thum der Sprache und erweitern den Umfang der Bedeutun-gen/ da sie nur in den Stand setze»/ auch die feinsten Schatti-rungen und Farbenmischungen der Gedanken auszudrücken. Sicerheben die Sprache über den gemeinen Ton des täglichen Le-bens/ und geben ihr Glanz und Würde. Sie verschaffen unsall das Vergnüge»/ welches schöne Formen gewahre« / und sindüberhaupt die natürlichste Sprache der Phantasie und der Lei-denschaft.
So viele und bedeutende Vortheile aber auch der Gebrauchder Figuren dem Schriftsteller gewahren mag, so muß man da-mit doch stets äußerst behutsam seyn und ja nicht glauben. Laßalle Schönheit auf ihnen allein oder auch nur vorzüglich be-ruhe. Ihr zu häufiger oder unschicklicher Gebrauch gibt im Ge-gentheil der Sprache ein steifes und gezwungenes Ansehen.„Die Empfindung oder die leidenschaftliche Wärme," sagt Blair,„welche dem figürlichen Ausdruck zum Grunde liegt, sie ist eseinzig und allein, was das Verdienst desselben ausmachr. DieEmpfindung ist der Körper, oder vielmehr die Seele, die Fi-gur bloß das Gewand. Ein kalter oder leerer Aufsatz kann durchkeine Figuren gehoben werden; ein Gedanke aber, der entwe-