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§. 16.
Harmonie der Rede.
Nebst dem bisher betrachteten Numerus der einzelnen Pe-rioden gibt es noch einen höheren, einen der Harmonie derganzen Rede, welche durch daS gefällige Ebenmaß in demZusammenhänge einer Reihe von Perioden ent-steht, und Einheit in der schönsten Mannigfaltigkeit enthalt.Was von dem Numerus der einzelnen Perioden gesagt wurde,muß auch auf die Folge derselben angewendet werden. DiePerioden müssen daher bald kürzer, bald langer, bald einfach,bald zusammengesetzt seyn, um durch gefälligen Wechsel dieAufmerksamkeit des Lesers ohne Ermüdung in angenehmerSpannung zu erhallen.
In dieser Hinsicht, bemerkt auch Longin: nichts sey ge-schickter, einer Rede Schwung und Erhabenheit zu geben, alsdie Verbindung der Perioden, welche, so wie die Glieder desmenschlichen Leibes, einzeln genommen, keine Wirkung thun,zusammen aber ein ganzes erhabenes Gebäude darstellen. Daseinzelne Große, hier und da verstreut, wird selbst klein, undwirkt nichts Großes; wird aber alles zu einem Körper zusam-mengesetzt, und durch das Band der Harmonie gebunden, sowird jedes selbst durch die Verbindung größer. Und so ist dieErhabenheit eines Perioden, so zu sagen, eigentlich nur einzusammengetragenes Ganzes. Und auf die Art ist es zu begrei-fen , wie es gekommen, daß viele Schriftsteller, die zwarnicht ganz ohne Erhabenheit waren, aber docv auf eine vor-zügliche Größe keinen Anspruch machen konnten, und die nochdazu sich oft ziemlich gemeiner und wenig edler Ausdrücke be-dienen, dennoch durch bloße Verbindung und Harmonie indas Ansehen einer Größe und einer vorzüglichen Würde ge-kommen, wenigstens nicht für niedrig geachtet worden sind *).
') Longin vom Erhabnen L„. Cap. nach Schlossers Übersetzung.