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Longi'n tadelt in dieser Hinsicht den Aristophanes und Eu-ripides; und Schlosser bemerkt dabey, daß wir auch deutscheDichter haben, von denen man das Rühmliche mit Recht sa-gen konnte: sie waren nicht als Dichter geachtet worden, wenndie Harmonie ihrer Sprache sie nicht unterschiede. Klopstockselbst hat oft durch die Harmonie der Sprache seinen Gedich-ten einen Werth gegeben, der ihm für die Unsterblichkeit bürgt.Von dieser Art ist unverkennbar sein folgendes Gedicht, dieErscheinung, nach Glucks, Pergolese's und Zoppi's Com-posirion. Ich gebe es hier, wie es sich im Leipziger Musen-Al?manach für das Jahr 1776 befindet *).
Die Erscheinung.
Ende Schmerz, langer Schmerz der Liebe!
Wer empfand sie je wie ich?
Wer wie ich ihren Gram, ihre Qual,
Und all ihr Weh!
Und du schweigst mir, meine Selma« du schweigest?Verstumme nicht auf ewig!
Jahre schon blutet mein Herz!
Höre, Selma, Selma!
Ach, sie wendet weg ihr AugeVon der sanften edlen Wehmuth,
Liebt mich nicht.
Selma, Selma, Geliebte! sonst könnt' ich weinen!Freude wurde meine Thräne,
Wallte sanft die Wange nieder,
Wenn mit ihr mich Hoffnung täuschte!
Weinen könnt' ich, kann's nicht mehr.
Geliebte, wie keine geliebt wird,
Weinen könnt' ich, kann's nicht mehr!
O die ich ewig liebe, ewig, Selma!
Einst könnt' ich weinen,
Freude wurde meine Thräne; u. s. w.
*) In Klopstocks gesammelten Gedichten ist dieses Muster har-monischer Sprache nicht ausgenommen.