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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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§. II.

Rednerischer Numerus *).

Der Numerus, sagt Batteux, hat seinen Nahmen davon,daß er aus mehreren Dingen bestehen muß. Die Einheitmacht in der Rechenkunst keine Zahl aus; ein einziger Aufschlagoder Niederschlag macht in der Tonkunst keinen Tact aus; eineeinzige Linie bringt in der Meßkunst weder Ebenmaß noch Ver-hältnis; hervor. Also auch in der Rede: ein einziges Wort, eineinziges Glied eines Perioden, als ein einzelnes Ding betrachtet,kann dasjenige nicht Hervorbringen was man Numerus nennt.Der Numerus kann nur bey vervielfältigten Theilen Statt fin-den, die unter sich eine Beziehung von Ähnlichkeit oder Unähn-lichkeit, von Gleichförmigkeit oder Verschiedenheit haben. AlleMenschen haben von Natur eine Neigung zum Numerus; wirthun fast Alles nach Abmessungen. Wenn wir gehen, so machen wirunsere Schritte nach gleichgemessenen Zwischenfristen; eben soathmen wir auch, eben so gehen auch unsere Pulsschläge. DerHammer des Schmides und des Böttchers fällt nach dem Tas-te; der Weber wirft sein Schiffchen mit einem Numerus. Al-les, sogar bis auf die Sichel des Schnitters, hat seine bestimm-ten Zeiten, seine Perioden und Hergänge. Befindet sich dieseSymmetrie in Dingen, die bloß mechanisch zu seyn scheinen, somuß sie sich mit noch weit mehreren! Rechte in der Rede befinden,die das Ebenbild der Seele selbst ist, das heißt, desjenigen Thei-

*) Ich habe bey der Bearbeitung dieser Materie größtenTheils ältere Schriftsteller benützt, Quinkilian, Cicero, HugoBlair, Sulzer und Batteux, weil sie den Gegenstand am aus-führlichsten behandeln. Was den Batteux insbesondere be-trifft, so weiß ich zwar wohl, wie sehr man in neuester Zeitihn verrufen hat, und zum Theil mit Recht, denn es fehltseinem System an Tiefe und oft auch an Richtigkeit der er-sten Grundsätze; indeß bleibt er, »ach Ramlers Bearbeitung,in Hinsicht gewisser praktischer Detail-Regeln immer brauch-bar. Wegen Benützung? der übrigen vier Schriftsteller glaubeich mich nicht entschuldigen zu dürfen.