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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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barer Mensch wird sich allzeit hüten, etwas zu thun, wo-durch er die Achtung Anderer verlieren könnte, und sich hin-gegen so betragen, daß er die Achtung verdiene, die seinemStande, seinem Alter und seinem guten Nahmen gebührt.Daher sind unanständige Worte, Geberden und Handlungenauch gegen die Ehrbarkeit, und man sagt von einem Kinde,das für sein Alter schon sehr sittsam ist, daß es recht ehrbardasitze.

Harren und warten.

Beyde Wörter bedeuten den Zustand eines Menschen,welcher der Gegenwart einer Sache entgegen sieht. Diesen Zu-stand drückt das Wort warten ohne weitere Nebenbegriffeaus. Wer wartet, sieht also bloß einer Sache, die noch nichtda ist, entgegen. Es ist also nicht nothwendig mit einer unan-genehmen Empfindung verbunden. Man kann sogar mit Ver-gnügen auf etwas warten, z. B. :

„Ihr Freunde seyd vergnügt,

Und laßt das Schicksal walten!

Es weiß, worauf ihr warten sollt." —

Harren enthält den Nebenbegriff eines Mißvergnügens,es ist ein unangenehmes Warten. Das Unangenehmebey dem Harren entsteht zunächst aus der damit verbunde-nen Sehnsucht. Man wartet auch auf gleichgültige Dinge;ein Bedienter wartet aufseinen Herrn; man harret abernur auf ein Gut oder auf die Befreyung von einem Übel,wornach man sich sehnt. Harren ist also ein langes, sehn-suchtsvolles Warten auf Etwas, das man sich als eingroßes Gut vorstellt.

Horchen. Lauschen. Lauern. Spähen.

Horchen ist die gespannte Aufmerksamkeit durch denSinn des Gehörs. Das Lauschen ist die gespannte und heim-liche Aufmerksamkeit sowohl auf sichtbare als hörbare Gegen-