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erweislich ist/ daß die Literatur der Nation in dem engen Zeit-raum von zwanzig Jahren, binnen welchen man ihre Sprachedurch eine einzige Provinz auf ewig fixirt wissen will, pon ih-rer höchsten Stufe noch weit entfernt war, und nur noch inwenigen Fächern solche Meisterwerke, die auch von Auslän-dern, auch von der Nachwelt dafür erkannt werden können,hervsrgebracht hatte! Daß dieß der Fall unserer Sprache sey,braucht wohl bey unparteyischen Schätzern unserer Literatur kei-nes andern Beweises, als eines Hellen Blicks auf ihren Zustandin den Jahren von — 60, und auf die Früchte des Wi-tzes und Geschmacks, womit uns der südlich-sächsische Bodenin diesem Zeitraum beschenkte."
Aus allem diesen zieht Wieland endlich die gegründetenSchlußfolgerungen:
,,a) Daß die hochdeutsche Sprache, oder die Frage: wasist Hochdeutsch? sich nicht durch die Mundart irgend einer blü-henden Provinz, sondern ganz allein aus den Werken der be-sten Schriftsteller bestimmen lasse; b) daß hiervon auch dieSchriftsteller des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts nichtausgeschlossen werden dürfen; c) daß die Zeit noch nicht ge-kommen sey, wo die Anzahl der Schriftsteller, welche den gan-zen Reichthum unserer Sprache enthalten, für beschlossen an-genommen werden konnte, und daß cl) bis dahin die alternDialekte noch immer als gemeines Gut und Eigenthum derechten deutschen Sprache, und als eine Art von Fundgrubenanzusehen seyen, aus welchen man den Bedürfnissen der all-gemeinen Schriftsprache, in Fällen, wo es vonnöthen ist, zuHülfe kommen könnte." —
Dieß Wielands Behauptung, deren Wahrheit und Gründ-lichkeit wohl keinem Zweifel unterliegt. Wir wenden uns da-her, nach dieser Berichtigung über den Begriff der hochdeut-schen Sprache und ihre Ausbildung (welche hier nothwendig ih-ren Platz finden mußte) zu der Theorie der Sprachrich-tigkeic.