§9
waren. Da nun aber zu der Bildung einer Sprache wegen derimmer zunehmenden Jdeen-Maffe vorzüglich ihre Bereicherunggehört/ und die unserige am wenigsten erborgten Reichthumduldet; so muß sie zu sich selber'/ zu ihren veralteten Ausdrü-cken / die ost schöner und kraftvoller als die neuern sind / undzu ihren Mundarten / worin ein Schatz von bedeutenden undausdrucksvollen Zeichen der Gedanken verborgen liegt/ihre Zu-flucht nehmen. Dieß haben unsere vorzüglichsten deutschen Schrift-steller schon mit vielem Glücke gethan." —
§. i3.
Hülfsquellen zur genauesten Beobachtungder Sprachrichtigkeit sind gute Wörterbücher/ indemsie den sogenannten Sprachschatz darstellen. Adelung hat inseinem grammatisch - kritischen Wörterbuch der hochdeutschenMundart bey Erklärung der Abstammung und Bedeutung deut-scher Wörter allerdings tiefe Einsichten gezeigt; seine Ver-dienste sind entschieden; denn er brachte das allein zu Stande/was in Frankreich und Italien dem vereinigten Bemühen gan-zer Akademien gelang. Jndeß bleibt doch eben so gewiß/ daßer (wie Voß in den philologischen Anmerkungen zum erstenBand seiner lyrischen Gedichte bemerkt) manche Worlbestim-mung verfehlte / und zwar aus Unkunde der alten Sprache /und weil sein Sachsen ihm Deutschland war. Durch Soltau'sBerichtigungen ist einigen Mängeln abgeholfen worden.
Campe hat sich um die Reinigung und Bereicherung derdeutschen Sprache bedeutende Verdienste erworben / vorzüglichdurch sein deutsches Wörterbuch/ welches einen weit größernSchatz von Wörtern enthält/ als das Adelung'sche; nur wärezu wünschen/ daß er sich auch in die Erklärung über die Ab-stammung der Wörter eingelassen hätte. Eine rühmliche Er-wähnung verdient das grammatische Wörterbuch der deut-schen Sprache von Carl Philipp Moriz/ der sich durch seinedeutsche Sprachlehre und Prosodie (Tonmeffung) nicht minderverewigte.
Philosoph. Abtheil. V. Band.
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