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Ihnen war die Redekunst bald ein Werkzeug zur Überre-dung, dessen Behandlung mehr Verstand als Gefühl erfordert;bald eine Art von Taktik, welche dahin abzweckte, eine Mengevon Wörtern zusammen zu bringen, sie dicht an einander zuschließen, wieder auszubreiten, gegenseitig zu unterstützen undsie keck auf den Feind anrücken zu lassen."
Ein besonders reiches Feld fanden diese Sophisten in un-mäßigen Lobeserhebungen. Die Sucht des Ruhmes stieg so hoch,daß sie auch leblose Dinge zu ihrer glänzenden Behandlungs-art wählten. So verfaßte z. B. ein Sophist eine Lobschriftaus das Salz, worin er allen Reichthum der Einbildungskrafterschöpfte, um die Nützlichkeit dieses Minerals für den Men-schen mit den übertriebensten und grellsten Farben zu schildern.Ein Hauptgrundsatz der Sophisten war: der Redner müsse imStande seyn, dem Verbrechen wie der Unschuld, der Lüge wieder Wahrheit, den Sieg zu verschaffen; zu welchem Ende sieihre Schlüffe auf die Spitzfindigkeiten der Dialektik bauten.Die Reden dieser Menschen wirkten auf das Volk freylich nurwie ein vorübergehender Rausch, aber um desto heftiger fürden Augenblick. So schrieb der Sophist Gorgias inz Grundeherzlos und kalt, haschte nach dem Erhabenen auf falschen We-gen, wußte aber die Dürftigkeit seiner Gedanken durch denPomp seiner Ausdrücke zu überkleistern, — und wirkte gewal-tig. Er kam einst, von den Siciliern gesandt, nach Athen, umdessen Beystand für seine Landsleute zu erbitten. Er hielt vordem versammelten Volk eine Rede, worin die kühnsten Bil-der und die schimmerndsten Ausdrücke Schlag auf Schlag ein-ander folgten. Die Perioden waren dabey bald nach einerleySylbenmaß geordnet, bald durch einerley Schlußfall ausge-zeichnet. Und er erreichte nicht nur seinen Zweck vollkommen,sondern die geblendeten Athener zwangen ihn sogar, sich beyihnen niederzulaffen, drängten sich um seinen Unterricht in derRedekunst, und stellten endlich sogar, in seiner Gegenwart, inApolls Tempel, sein Bildniß auf.
Der heftigste Gegner der Sophisten war, unter den Schrift-