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Cicero's *) Bemerkung vergessen, daß die Beredsamkeit sichstets nach dem Charakter der Nation zu richten habe, ohnewelches sie wenigstens nie ihre volle Wirkung thun würde.
§. i6.
Mißbrauch der Beredsamkeit. Sophisten.
Aus dem edlen Zweck und der bisher geschilderten Würdeder Beredsamkeit ergibt sich von selbst, wie sehr sie verschiedensey von der unechten Schwester Sophistik, nähmlich der un-edlen Kunst, sich der Schwachen der Menschen zu seinen Ab-sichten zu bedienen und mit hinterlistig angebrachter Wendungund Form der Jdeen-Darstellung durch Sprache zu Urtheilen undEntschlüssen zu locken.
Wie groß die Macht dieser falschen Kunst einst in Grie-chenland war, und bis zu welchem hohen Grade sie getriebenwurde, davon möge man sich durch einige hier ausgehobeneZüge aus dem Gemahlde der Sophisten von Barthelemy'sMeisterhand überzeugen, wozu Plato, Aristoteles, Plutarch,Dionysius von Halikarnaß, Philostrarus, Cicero, und meh-rere andere ihm die Farben lieferten.
„Die Sophisten verbreiteten sich durch ganz Griechen-land. Sie wanderten von Stadt zu Stadt, und wurden allent-halben von einer großen Anzahl Schüler begleitet, die durchHülse der Beredsamkeit sich zu den ersten Staatsämtern hinauf-zuschwingen brannten, und deßhalb die Anweisung dieser Leh-rer theuer bezahlten. Ihre Werke waren mit so abgemessenerZierlichkeit geschrieben, so gedrängt und gehaust voll Schön-heiten , daß die Anstrengung, welche sie ihren Verfassern koste-ten, selbst dem Leser peinlich wurde. Wenn es ihnen auch bis-weilen gelang , ihn zu gewinnen, so vermochten sie doch nieihn zu erschüttern, weil ihnen Paradoxie statt der Wahrheitdiente, und Wärme der Phantasie statt der Wärme desHerzens.
) Or.lt, csp. 8-