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öffentliche Redner auftreten ; aber welcher Gesetzgeber hat nichtnöthig, mehrmahlen durch Edicte und Aufrufe mit seinemVolke zu reden? Wo ist eine gebildete Nation, bey der nichtin moralischen Angelegenheiten Redner und Schriftsteller auf-treten? Wie viel vermag nicht der geistliche Redner zu wir-ken? Wie sehr kann nicht der Feldherr durch Beredsamkeit seineSoldaten in Begeisterung setzen? Tausend Beyspiele aus deraltern und neuern Geschichte bekräftigen dieß.
Obwohl uns nun aber die Gelegenheiten, in öffentli-ch e n V e r sa m m l u n g e n aufzutreten und in eigentlichen R e-den die Starke der Beredsamkeit geltend zu machen, größtenTheils benommen sind, so bleibt uns doch noch manches an-dere, nicht minder Wichtige in diesem Fache zu vollbringen.Der Sachwalter, der Feldherr, der Staatsmann, insbeson-dere in diplomatischen Sendungen, können noch jetzt durchmündliche Vorträge höchst bedeutende Rechts-und Staatsma-terien auf eine Art behandeln, die in den wesentlichen Stü-cken wenig von der Art der griechischen und römischen Rednerabweicht. Der patriotische Redner findet auch jetzt noch Veran-lassungen, wo er es unternehmen kann, wichtige öffentlicheAnstalten zu empfehlen, von schädlichen Mißbräuchen abzu-rathen. National-Vorurtheile auszurotten, oder National-Gesinnungen einzupflanzen.
Das Reich dieser Kunst, sagt Plato im Dialog Phädrus,ist sehr groß. Sie herrscht in den allgemeinen Versammlungen,wo über die Vortheile eines gesammten Volkes berathschlagtwird; vor den Richterstühlen, wo man die Rechtsfälle einzel-ner Bürger beurtheilt; in den Reden, wo das Laster und dieTugend mit ihren wahren Farben dargestellt werden sollen;endlich bey alle» Veranlassungen, wo es auf Belehrung derMenschen ankommt.
Die von der Zeit verschont gebliebenen Meisterwerke dergriechischen und römischen Redner, welche sich dem Ideale nä-hern , müssen also auch dem modernen Redner noch immerVorbilder bleiben; nur muß man in der Ausübung selbst nie