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Inder Beredsamkeit findet die Politik ein wichtigesMittel zur Wirksamkeit. Was keinem äußern Zwange gelingt,wird durch Beredsamkeit erreicht. Leistet sie dem Sitrenleh-rer Hülfe, so wird er die verderblichsten Leidenschaftenglücklich zu bekämpfen, und die edelsten Gesinnungen in dasmenschliche Herz zu pflanzen vermögen. Wie groß die Machtder eigentlichen Beredsamkeit, welche nur in der Rede Stattfindet, einst bey d»n Griechen und Römern war, davon sindalle Blatter der Geschichte voll. Aber nicht nur Demosthenesund Cicero wirkten durch sie mit wunderbarer Kraft in denöffentlichen Versammlungen; sogar die Beredsamkeitdes Umgangs, welche Sokrates in so hohem Grade besaß,hatte die wichtigsten Folgen.' Durch diese Art der Beredsam-keit gelang es dem praktischen Philosophen, durch eine einzige Un-terredung aus einem ausschweifenden Jüngling einen der edel-sten und besten zu machen. Ein nicht minder ergreifendes Bey-spiel von der Gewalt der Beredsamkeit finden wir im Leben desRedner Antonius. In sein Haus waren Mörder geschickt, ihnzu tödten. Sie begaben sich zu ihm in das Gemach. Ihr An-führer blieb am Eingangs des Hauses zurück, weil er bey dergräßlichen That nicht selbst Hand anlegen wollte. Als er langevergebens gewartet hatte, ohne daß die Soldaten vom verüb-ten Morde zurückkamen, fand er für nölhig, endlich selbst indas Haus zu gehen. Aber wie groß war sein Erstaunen, als erin das Gemach eintrat! dahingerissen von der Macht der Be-redsamkeit des Mannes, de» sie tödten sollten, standen die ro-hen Menschen gerührt und erschüttert; ja mehrere von ihnenzerflossen in Thronen — und vermochten es nicht, ihn durchihre Schwerter verstummen zu machen. —
Eben so zeigt sich auch in allen Reden, welche Livius,Tacitus, Thucydides, Dionysius von Halicarnaß, Dio Cas-sius u. m. a. ihren unsterblichen Geschichtsbüchern eingeflochtenhaben, die unverkennbare Gewalt der Beredsamkeit.
Heut zu Tage sind zwar freylich nur wenige Staaten(z. B. England und Frankreich), in deren Regierungsgeschäften