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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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die Gemüther ausüben, eine Gewalt, die nur mit dem Über-gewicht der Phantasie in den meisten Menschen über den Ver-stand im Verhältniß steht, und deren Wirkung deßhalb nurdesto unfehlbarer ist.

5. Die Geschicklichkeit in der Anregung der Leiden-schaften ist allerdings ein unentbehrliches Talent des Redners.Der Grund davon liegt in der auffallenden Machtder Lei-denschaften, welche sich an die Allgewalt der Phantasieenge anschließt und mit ihr gemeinschaftlich fest wurzelt. Manhat die Leidenschaften die Winde genannt, welche unser Ge-müth in rastloser Thätigkeit erhalten, indem sie uns zu neuenIdeen, schnellen Entschließungen und kühnen UnternehmungenHinreißen.

6. Zndeß ist allerdings gewiß, daß nicht Figuren, Schön-heit derAusdrücke undHarmonie des Periodenbaues, sondern Phi-losophie, Geschichte und Politik, Menschenkenntniß und Er-fahrung, und mehr noch die Heilsamkeit und Wohlrhätigkeitder vorgeschlagenen Maßregeln die kräftigsten Uberre-dungsmittel des Redners sind, jene rhetorischen abernur dazu dienen, diesen praktischen Eingang zu verschaf-fen, und sie in ihr volles und glänzendes Licht zu setzen.

Werden nun diese zwey Arten der Hülfsmittel des Redners,die praktischen und die rhetorischen, auf gute und edle Zwecke hin-gerichtet, aufVertheidigung der Unschuld,Entlarvung der Cabale,Bestrafung der Bosheit, Erregung edler, moralischer oder patrio-tischer Gesinnungen in den Gemüthern des Volks u. s. w., soläßt sich weder die Nothwendigkeit noch der bedeutende Nutzen derBeredsamkeit läugnen und verkennen, Den» so unwidersprechlichund so leuchtend auch, bemerkt Jenisch, die Bilder des Moralisch-Schönen und Häßlichen, der Tugend und des Lasters, der Gerech-tigkeit und der Ungerechtigkeit, jeder unverdorbenen Menschenseeleeingeprägt sind, so wird doch, durch augenblickliche Aufwallungen,durch eigenthümliches Interesse, durch Leidenschaften der mannig-faltigsten Art, durch tückische Vorsviegelungen verführerischerBetrieger, der Helle Schein jenes innern Lichts in den meisten