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§. 12 .
Fortsetzung der intellectuellen Eigenschaften:Wissenschaftliche — und Sachkenntnisse, Kunst-bildung.
3. Muß der Redner insbesondere ausgebreitete wissenschaft-liche — und Sachkenntnisse besitzen. Er kommt in Gelegenhei-ten , über die verschiedenartigsten Gegenstände sprechen zu müs-sen, und darf daher in keinem bedeutenden Fache ein Fremd-ling, wenigstens nicht unvorbereitet seyn, sondern muß viel-mehr durch ununterbrochenes Studium Alles, was das In-teresse und die Wohlfahrt der Menschen betrifft, durchdacht undkennen gelernt haben, und mit reichen Kenntnissen geschmücktseyn. Vor allen andern aber müssen Philosophie, Geschichteund Politik die unzertrennlichen Gefährtinnen des Redners seyn;denn sie versehen ihn vorzüglich mit Gedankenstoff, Beweisenund Beyspielen. Nur die eingerissenen Mißbräuche, bemerkt Ci-cero *), verursachten die Trennung der Philosophie und derBeredsamkeit, welche bis dahin einerley Geschäft betrieben undsogar einerley Nahmen geführt hatten (So pH istik und So-phisten). Sie wurden dadurch der Hülfe beraubt, welche siesich wechselseitig hätten leisten können. Da warf dann die Phi-losophie der Beredsamkeit manchmahl mit verächtlichem Tonevor: daß sie sich eines Eingriffes in ihre Rechte anmaße, daßsie Fragen über Religion, Staatskunst und Sittenlehre abzu-handeln wage, ohne die Grundsätze dieser Wissenschaften zukennen. Man kann ihr aber antworten: daß, da sie selbst durchdie Erhabenheit ihrer Lehren und die Genauigkeit ihres Aus-druckes unsere Streitigkeiten nicht schlichten kann, sie wohl ge-statten möge, daß ihreNebenbuhlerinn ihr zur Dollmetscherinndiene, sie mit einigen Reizen schmücke, und sie uns etwas ncsther bringe. Dieß haben wirklich auch alle Redner gethan, wel-che die Fortschritte und den günstigen Einfluß beyder Kenntnissebenutzten, und ihre Kunst dem allgemeinen Besten widmeten-
*) Lic. cle or-U. l. Z. coy. 16. etc. Lsrtlleleir,^ Voxsge ll. j. ä
Philosoph. Abtheil. V. Band. B