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sie dem ruhigen Denker nie in den Weg tritt, die Vernunftnicht aus ihrem Rechte verdrängt, sich keine Entscheidungenanmaßt, welche dieser allein zu kommen, und nicht mystischeSprüche für die gediegene Weisheit ausgibt.
Ihres Ausartung wird aber verhindert durch state Beschäf-tigung des Verstandes, Ausbildung der sittlichen Anlagen,ernsten Blick in das Leben und deutliches Bewußtseyn der mensch-lichen Bestimmung.
Die Eigenheit einer starken Einbildungskraft ist es,eine Idee lange festzuhalten, von allen Seiten auszugestalten,und sich ganz in sie zu verlieren. Sie ist nöthig, wo mehr alsGemeines zum Vorschein kommen — und unentbehrlich, wodem gegenwärtigen Zustande der Dinge ein bedeutender Ilm-schwung gegeben werden soll. Ihr Nutzen für den Redner istalso wohl außer Zweifel. Nur darf sie die übrigen Kräfte desGeistes nicht überwachsen, und es stehe der Helle Gedanke, dasfeste Einwurzeln im wirklichen Leben, offener Sinn für mensch-liche Angelegenheiten und Trieb zum Handeln mit ihr in stätemBunde. Ohne dieses führt sie entweder zu leeren Grübeleyen oderzu phantastischen Träumen — und der Redner wird zum bilder-reichen Schwärmer.
Die kühne Einbildungskraft dringt in ihrer Stärke überjede Schranke hinaus, welche Verstand und Erfahrung ihr an-legen wollen; ihr schwebt unaufhörlich die Idee des Unendli-chen vor, und wenn sie sich auch bewußt ist, dieses nie errei-chen zu können, so strebt sie doch, in beständigen Erweiterun-gen des Endlichen, sich demselben zu nähern, oder cs in Sym-bolen anzudeuten. Sie kann nur bey den höchsten Flügen deslyrischen Dichters Statt finden, beym Redner um so weniger,als sie nur durch eine äußerst feine Gränzlinie von der ganzregello sen Phantasie getrennt wird, welche der Seele ihreKraft raubt, dem Gemüthe seine Harmonie, besonders, wennsie im Dienste einer Lüstern Stimmung oder sinnlicher Neigun-gen steht.